Alter

Wir haben den Glauben an ein Leben nach dem Tod verloren, schreibt Joan Didion, ohne wirklich erfassen zu können, wie weitreichend die Konsequenzen sind. Was damit alles verloren gegangen ist. Welche Schwierigkeiten diese Lücke ausfüllen.

 

Joan Didion schreibt, die von Kindern unschuldig gestellte Frage nach unserem Alter, beschäme uns. Die Scham rühre daher, dass die Antwort, die wir geben, im Gegensatz zur Frage, nie unschuldig sei. Weil wir das Alter, das rein rechnerisch biografisch unser „richtiges“ Alter ist, nicht als unser wirkliches Alter annehmen? Weil wir uns mit dieser Zahl nicht wieder erkennen? Oder hat es etwas zu tun mit S. Beobachtung, die ich im Begriff des „psychischen Alters“ bei dem Psychoanalytiker Herman-Josef Berk wiederfinde? Dieses „psychische Alter“ entsteht in der Phase, in der erwachsene Menschen das Gefühl haben, sie wüssten jetzt (mehr oder weniger plötzlich) wie das Leben funktioniert, worauf das alles hinaus läuft. Das Alter in dem diese Einsicht geschieht, bildet das „innere Alter“, dasjenige Alter, das man fühlt, im Gegensatz zu dem chronologisch errechenbaren Alter.