Alter

Blaue Stunden, für Didion sind sie das Versprechen und das Ende des Versprechens. „Blaue Stunden“, schreibt sie, „sind das Gegenteil sterbenden Glanzes, aber sie sind auch seine Vorboten.“

Wie alles gleichzeitig sein Gegenteil ist, und wie schwer diese Tatsache das Leben manchmal macht.

Wäre da nicht die Möglichkeit, sich zu entscheiden, was man sieht, worauf man sich konzentriert. Aber kann man das wirklich selbst entscheiden? Muss man nicht dem Schmerz seinen Raum geben, um die Freude auskosten zu können? So wie das Ende des Schmerzes nur der Anfang eines neuen Schmerzes ist? Eingebettet in die Freude, die Schönheit und Liebe, die auch immer da ist, und vielleicht ist die Angst das einzige, was wir wirklich überwinden müssen. Die Angst vor dem Schmerz. Und blau ist auf einmal nur eine Farbe, und Traurigkeit nur eine andere Art auf die Schönheit zu sehen.

 

Tief durchatmen und fortfahren das Falsche zu tun.

Wir werden andere. Wir lassen uns zurück.

 

Zur Frage der Angst, schreibt Didion: „Als ich diese Seiten zu schreiben begann, dachte ich, sie würden von Kindern handeln, von denen, die wir haben und von denen, die wir uns wünschen, davon, wie abhängig wir davon sind, dass unsere Kinder von uns abhängig sind, wie wir sie darin bestärken, Kinder zu bleiben, wie sie uns unbekannter bleiben als ihren entferntesten Freunden; wie wir für sie ähnlich undurchsichtig bleiben […] Wie wir das, was wir ineinander investieren, so überfrachten, dass wir den anderen nicht mehr klar sehen können. Wie weder wir noch sie es ertragen können, den Tod oder die Krankheit oder auch nur das Älterwerden des jeweils anderen in Erwägung zu ziehen.“

 

Diese Unfähigkeit, einander zu sehen, geschweige denn zu erkennen. All diese kraftraubende Widersprüchlichkeit immerzu.

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6 Gedanken zu “Alter

  1. Und heute nur der kurze Gedanke, ob wir es in der Hand haben, von wem und/oder von was wir uns Kraft rauben lassen – unter anderem.

    Ein starker Text, den ich am Abend nochmals lesen will/muss.
    Danke!

    1. Uralt und immer wieder neu. Vielleicht ist es aber gar keine letzte, schwierigste Aufgabe, sondern immer wieder diesselbe Aufgabe, in unterschiedlichen Variationen, Erscheinungsbildern, immer wieder das Loslassen üben, bis es endgültig gelingt.

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