Alter

„So weit zurückgelassen im Verlust –“

diese Zeile steht in Antije Krogs Gedicht Morning tea.

Was bedeutet das?

Die Alten: zurückgelassen im Verlust. Zurückgelassen von wem? Und was heißt das, im Verlust zurückgelassen worden zu sein? Dass der Zugewinn, Zukunft und neue Erfahrungen jetzt den anderen vorbehalten sind und für uns, die Alten, bleibt nur der Verlust, die Zukunft als Erwartung des nächsten Verlustes? Und mit jedem Verlust wächst die Entfernung von den anderen, den Kindern, den Jungen, denen, die noch nicht im Verlust wohnen.

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6 Gedanken zu “Alter

  1. Ob wir verlieren, was wir als verloren und als Verlust wahrnehmen? Oder gibt es den objektiven, den absoluten Verlust?
    Ich glaube nicht. Diese Zeile ist aus der Perspektive der „Jungen“ geschrieben, vermute ich.
    Wie oft interpretieren wir doch in das Leben anderer solche Klischees?
    Ich behaupte, dass nur wir selbst und nur über eigenes Worte wie Verlust verwenden dürfen. Und verwenden birgt die Wende in sich, lässt mich an doppelseitig tragbare Jacken denken: Was ist auf der Innenseite von Verlust?
    Wo ist die Lust, ist sie unsichtbar im Innen versickert?
    Wenn ja wann und warum?

    Ich assoziierte frei, vielleicht kannst du damit was anfangen?

    Danke für den Input!

    1. Ja, mit dieser Frage, was auf der anderen Seite vom Verlust ist, kann ich viel anfangen. Überhaupt ist jedes Ende immer auch ein neuer Anfang, manchmal vielleicht einer, den man nicht will, gegen den man sich sträubt, und dann tut es weh, bis man sich aneinander gewöhnt hat. Danke jedenfalls für Deine Gedanken.

  2. Ich lese viel über das Altern in deinem Blog. Es ließt sich immer ein wenig negativ.
    Ich vergleiche ja vieles in meinem Leben mit diesem populären Rasensport.
    Schau dir den Lauf eines Spielerlebens an. Eine zeitlang kannst du die schwindende Schnelligkeit (zB.Dick) mit Erfahrung kompensieren, irgendwann aber fãngt ein neuer Abschnitt an, als Trainer, Spielerbeobachter, Spordirektor, Manager, Heizungsbauer, Lehrer… .
    Wichtig ist die Gesellschaft, welche diese Lebenserfahrung anerkennt, denn sie wird benötigt.
    Es ist der Mix von Alt und Jung, der eine Mannschaft ausmacht, der Mix aus Erfahrung und Tatendrang.
    Problem ist in dieser Zeit nicht der Fussball, es ist die Finanzindustrie, Wirtschaft, welche nur auf die Jugend setzt, zum größten Teil aus Kostengründen, dieses hat gravierende gesellschaftliche Auswirkungen.
    So droht im Alter Armut und der Wert der Erfahrungen wird abgewertet. Es liegt an der Gesellschaft, dem Einhalt zu gebieten, den wir alle werden alt, jeden Tag.
    Ich denke, wenn man die Schwelle, die meine Eltern midlife crisis genannt haben, überschritten hat, kommt die erfahrene Gelassenheit.
    Du stürmst nicht mehr aufs Tor, aber du kannst das Spiel lesen und lächeln.

    1. Ja, auf diese erfahrene Gelassenheit warte ich sehnsüchtig. Gerade habe ich eher das Gefühl wieder mitten in der Pubertät zu sein. Ziemlich anstrengend, und weil ich das offenbar alles nicht wirklich will, liest es sich ganz sicher zu Recht negativ. Ich will vermutlich immer noch auf das Tor zustürmen, so sehr, dass es mir nicht gelingt, mir auch nur vorzustellen, dass es ebenso schön (nur eben anders) sein könnte, das Spiel lächelnd gelassen zu lesen. Danke für Deinen Einwurf.

      1. Pubertät ist eon schöner Vergleich, auch dort gehen wir in einen neuen Abschnitt, auch dort spielen Hormone Streiche.
        Ja, alles sehr anstrengend, wichtig ist, dass man sein eigener Fan bleibt.

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