Alter

Sogar eine grenzüberschreitende, seit Jahrzehnten unkonventionelle Frau wie Marina Abramovic, möchte nicht, dass man ihrem Körper das Alter ansieht. Sie bekennt sich freimütig dazu, ihr Gesicht lasern zu lassen, um nicht im Entferntesten wie 67 auszusehen.

Das Altern verhindern, unsichtbar machen, verschieben. Sowohl in der Literatur, als auch im Alltag scheint das die vorherrschende Form des Umgangs mit dem Altern, insbesondere mit dem Altern der Frauen.

 

Gemeinhin wird im Alter die Nähe zum Tod gesehen, Hilfsbedürfigkeit und Verfall. Die alten stehen am Rand, aber nicht, um nach und nach in die Mitte hinein zu wachsen, sondern am Ende, an diesem Rand, der nur noch in den Tod führt.

 

Meine ersten Erinnerungen zum Phänomen Alter hatten nichts mit Tod und Sterben zu tun, sondern mit Scham. Meine Mutter war viel älter als die anderen Mütter und dafür schämte ich mich. Mir selbst war diese Abweichung nie aufgefallen, aber nachdem mich die anderen Kinder eindrücklich darauf hingewiesen hatten, schämte ich mich für das Alter meiner Mutter. Ich lernte: es ist ein Makel alt zu sein.

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