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Leslie Jamison: ihr Mut, sich ihrer paradoxen Empfindungen, bewusst zu sein, Ablehnung und Zustimmung zugleich. Die eigenen Schwächen, Makel, das, wofür man sich schämt, eingestehen, sogar laut auszusprechen, das ist Aufrichtigkeit, das macht einen Text zu etwas, mit dem ich als Leser in Beziehung treten kann, auf einer umfassenderen als einer rein intellektuellen Ebene.

Und da ist ja auch das Thema: dass man sich schämt für seine Scham, seine Schwäche, dafür, dass man leidet, vielleicht sogar dafür, dass man mit leidet.

Leslie Jamison schreibt: „Ich wollte anschreiben gegen meine eigenen Schamgefühle darüber, wie banal sie war [die Geschichte einer von Mitleid zerfressenen Frau, die von dem Mann, der sie verlassen hat, besessen ist, und ihren Kummer in Alkohol ertränkt]. …

 

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