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Jeden Morgen taucht die Sonne den Flur in ein goldenes Licht. Jeden Morgen sitzen die Kinder mit mir am Tisch. Und trotzdem ist da so viel Verzweiflung, Angst, Unmut. Woran liegt das?

Wenn ich mich frage, warum es nicht weh tut, mich an meine Kindheit zu erinnern, nicht einmal an meine Jugend, oder die erste Zeit des Verliebtseins, dann wird mir klar, das ist so, weil etwas, das viel größer, schöner und erfüllender ist, in mein Leben getreten ist. Und wenn mich jedes Mal aufs Neue der Schmerz überfällt, wenn ich Fotos von den Kindern sehe, als sie noch sehr klein waren, oder ihre Zeichnungen, dann wird mir bewusst, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass etwas kommt, das ebenso groß, schön und erfüllend sein kann. Andererseits ist mir durchaus bewusst, dass ich sie zwangsläufig sehr viel endgültiger verlieren muss, wenn ich nur sie zum Inhalt meines Lebens mache, dass das weder für sie noch für mich gut ist.

 

Angst, Unruhe, Trauer. Und die Unfähigkeit, darüber zu sprechen. Als würde ich hineinwachsen in Benns „Zwei Dinge“, mich immer mehr damit identifizieren.

 

Ich weiß nicht, worauf ich hinaus will. Wie soll ich unter diesen Voraussetzungen schreiben?

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