20. Januar

An der Theke, dort wo die Getränke und Speisen ausgegeben werden, eine zierliche, kleine Frau, die mich erst irritiert, dann offen verärgert ansieht. Und eigentlich möchte ich dieses kleine, sehr gewöhnliche Café, an einem sehr gewöhnlichen Ort auch gar nicht tauschen, gegen wechselnde Luxuswohnungen in wechselnden Kontinenten wie K. und seine Frau, oder gegen Eisregen in New York, ich denke nur manchmal, dass ich es eigentlich wollen sollte. Das mir mein Leben nicht genügen sollte. Mit seinem Mangel und der Fülle an Möglichkeiten, mich zu entwickeln, von denen ich die wenigsten nutze.

Und während ich das schreibe, kommt tatsächlich jemand an meinen Tisch und fragt, was ich da schreibe, worauf ich ausweichend antworte. Denn was wäre denn die Wahrheit gewesen? Ich schreibe, um jemand zu sein, um mir wenigstens ganz kurz zu widerlegen, dass ich niemand bin.

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Alles hat seine Zeit – Karl Ove Knausgård

(6)

Dieser ständige Kampf zwischen dem, was ich sein will, und dem was ich bin. Unstet, ruhelos, zum Leben verdammt, wie Kain (der immer der Zweite, der minderwertige war, beim Vater, vor Gott, der sich erklärt, leidet und sich windet, ohne aus seiner Haut, seiner Rolle, seinen eigenen Grenzen zu können), der sich ablehnt und hinterfragt, während Abel von vornherein sich, sein Denken und seine Sehnsucht auf etwas, das außerhalb von ihm selbst liegt, ausrichtet.

Dieses Böse, das immer wieder aufblitzt in meinen Gedanken. Gehässig, kränkend, abwertend.

Alles, woran man glaubt, beginnt zu existieren. Andererseits kann man Dinge nur überwinden, indem man sich ihnen stellt. Sie wahrnimmt.

 

Mut zum Versagen. Das Beste geben, auch wenn man von Vornherein denkt, es wird nicht genügen. Vielleicht gelingt so eine Überwindung der Eitelkeit.

 

Was Knausgard in „Alles hat seine Zeit“ vorwegnimmt, vorbereitet, ist die Auseinandersetzung mit den „männlichen Tugenden“, mit diesem Ethos, niemals Schwäche zeigen zu dürfen, mit Stolz und Macht und Ehre.