„Alles hat seine Zeit“ – Karl Ove Knausgård

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Wenn ich davon ausgehe, dass es etwas bedeutet, wenn bestimmte Bücher zu mir kommen, was ich lese und wahrnehme, Hinweisschilder, wie Miriam schreibt, dann kann ich all das als Unterstützung werten, als Ermutigung, weiter diesen Weg des Nicht- Dazugehören – Wollens zu beschreiten, statt dessen Kraft zu sammeln, um wirklich hart zu arbeiten.

 

Fantastisch und beneidenswert, wie detailreich, wie ausführlich, Knausgård in die Situation geht, das Erlebnis dieses Mannes, der dann Engelsforscher wird, beschreibt, während ich zunehmend parataktische, häufig genug kryptische Sätze von mir gebe.

 

Ist das, was der Baum der Erkenntnis in der Schöpfungsgeschichte bewirkt hat, Scham? Geht die Geburt von Denken, von Unterscheidung, automatisch mit der Entstehung von Scham einher? Sobald es Bewertungen gibt, gibt es Scham?

 

„Schon jetzt hatte die Scham sich von ihrem konkreten Auslöser gelöst und begonnen, ihr eigenes, abstraktes Leben in ihnen zu führen.“ (Knausgård, S. 54)

 

Und wie Knausgård im Folgenden beschreibt, wie die Scham sich verselbstständigt, von ihrem ursprünglichen Auslöser entfernt, und dennoch immer weiter besteht. Sogar wächst?

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5 Gedanken zu “„Alles hat seine Zeit“ – Karl Ove Knausgård

  1. Sehr ähnliche Gedanken hatte ich bei der Lektüre von Lieben. Ich finde es immer wieder sehr schön und bereichernd, wie sich unsere Knausgard-Lektüre, wenn auch zeitversetzt, ergänzt.

    1. Ich genieße das auch sehr, unsere parallele Lektüre. Zu dem, was Du über Lieben schreibst, über die Vaterrolle, der die Männerrolle in die Quere kommt, will ich schon lange etwas schreiben, bislang lassen sich die Gedanken, die ich dazu habe, aber noch nicht so geordnet formulieren.

      1. ja, auch ich denke viel über diese Männerrolle nach, die dem zugrunde liegt und beobachte derartige Männer auch immer wieder im Alltag. Aber auch mir fehlt die Sortierung dafür. Eigentlich erstaunlich, wie sehr die Frauenrolle – trotz angeblicher Gleichberechtigung – weiterhin abgewertet ist. Eine Frau, die sich unweiblich vorkommt, nur weil sie dabei beobachtet wird, wie sie etwas Handwerkliches tut, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.

  2. Mir gehts jetzt schon ähnlich mit Knausgård: Seine Gründlichkeit, Aufrichtigkeit, Dringlichkeit und sein Detailreichtum, den ich inspirierend finde, bringen mich auf Gedanken, die ich so noch nie gedacht habe.
    Das Buch über die Scham möchte ich später unbedingt auch lesen. Noch bin ich im STERBEN drin.
    Danke für dieses Lesetagebuch hier.

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