18. Januar

Aufgewacht mit starken Schmerzen, die nur sehr langsam abklingen. Aufgewacht mit der (unbeantwortbaren) Frage, wer ich bin. Aufgewacht mit der Sinnlosigkeit von allem. Aufgewacht mit dem fortwährenden eigenen Scheitern. Aufgewacht mit der Erinnerung an den großen Bluterguss auf P.´s Oberschenkel, vom Bandenkampf in der Straße. Aufgewacht mit mir und keinen Weg heraus gefunden.

Raureif auf den Dächern, eine dünne Eisschicht auf den Autos und winzige Schneeflocken, die vorsichtig, behutsam auf die Erde segeln.

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„Alles hat seine Zeit“ – Karl Ove Knausgård

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Wenn ich davon ausgehe, dass es etwas bedeutet, wenn bestimmte Bücher zu mir kommen, was ich lese und wahrnehme, Hinweisschilder, wie Miriam schreibt, dann kann ich all das als Unterstützung werten, als Ermutigung, weiter diesen Weg des Nicht- Dazugehören – Wollens zu beschreiten, statt dessen Kraft zu sammeln, um wirklich hart zu arbeiten.

 

Fantastisch und beneidenswert, wie detailreich, wie ausführlich, Knausgård in die Situation geht, das Erlebnis dieses Mannes, der dann Engelsforscher wird, beschreibt, während ich zunehmend parataktische, häufig genug kryptische Sätze von mir gebe.

 

Ist das, was der Baum der Erkenntnis in der Schöpfungsgeschichte bewirkt hat, Scham? Geht die Geburt von Denken, von Unterscheidung, automatisch mit der Entstehung von Scham einher? Sobald es Bewertungen gibt, gibt es Scham?

 

„Schon jetzt hatte die Scham sich von ihrem konkreten Auslöser gelöst und begonnen, ihr eigenes, abstraktes Leben in ihnen zu führen.“ (Knausgård, S. 54)

 

Und wie Knausgård im Folgenden beschreibt, wie die Scham sich verselbstständigt, von ihrem ursprünglichen Auslöser entfernt, und dennoch immer weiter besteht. Sogar wächst?