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Etwas fühlen, das Gefühl haben, lebendig zu sein, diese voraussetzungsloseste Sache des Lebens, wird immer schwieriger, weil da immer mehr Sedimente sind, immer mehr Ablagerungen, Erinnerungen, eigene und angelesene Erlebnisse. Alles scheint schon tausend Mal geschehen, gesagt und geschrieben worden zu sein. Eine schwer zum Schweigen zu bringende Instanz behauptet nachdrücklich, damit seien die Blicke, Gedanken und Zeilen überflüssig, langweilig, unbedeutende Wiederholungen. Wenn man sich äußern wolle, wenn man behaupten wolle, lebendig zu sein, müsse man sich stärker anstrengen, klüger, beharrlicher und aufregender sein.

Das Kind, das immerzu auf meinem Arm getragen werden wollte, spielt inzwischen Schach. Ich habe vielleicht nicht an Bedeutung verloren, aber wir sind gänzlich andere, unser Leben, unsere Beziehung zueinander ist eine gänzlich andere geworden. Er überfordert mich nicht mehr, wir können reden, verhandeln, streiten und versöhnen.

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Pegida, und jetzt der Anschlag auf Charlie Hebdot in Paris. Hass und Gewalt. Als wäre das alles sehr lange unterdrückt worden (aber nie überwunden) und bricht jetzt aus.

Dazu dieser wütende, aber leider in viel zu vielen Punkten sehr wahre Beitrag.

Oder Anousch, die fragt, wann endlich das postreligiöse Zeitalter beginnt.