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„Wir sterben so trostlos wie nie zuvor“, sagt Reimer Gronemeyer in einem Interview in der SZ aus dem letzten Jahr. „Es gibt keine Tröstung mehr. Keine Religion, stattdessen der Zwang auch das Sterben noch möglichst gut hinzukriegen.“

Fragt man sich eigentlich irgendwann während des Trauerprozesses, was aus den Gestorbenen wird? Wo sie jetzt sind? Was sie jetzt sind? Habe ich mich das gefragt, nach dem Tod meiner Mutter? Habe ich solche Fragen gestellt, als mein Vater gestorben war? Und wenn man solche Fragen stellt, meint man nicht selbst dann im Grunde sich selbst?

 

Vom 16., 17. Jahrhundert, das ihn anzieht, u.a. weil es sowohl in der Malerei, Literatur, als auch in der Naturwissenschaft bisher unübertroffene Größen hervorgebracht hat (Rembrandt, Shakespeare, Newton), schreibt Knausgard: „War der Tod näher und das Leben deshalb stärker? Wer weiß.“

Ich glaube eine tiefe Wahrheit liegt in diesem Satz. Möglicherweise ist das wirklich der Kern, die Quelle von dem all das Kranke, Aggressive, Grausame, unserer Zeit ausgeht, dass wir den Tod so gut gebändigt, gezähmt und ausgegrenzt haben, dass wir das Leben nicht mehr spüren können.

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