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Eingewickelt in die Täuschungen der Gegenwart. Fragmente, Bruchstücke.

Draußen beginnt es langsam zu dämmern. Die Heizung schnurrt leise vor sich hin.

Wie können einen die Dinge, die man nicht getan hat, dermaßen verfolgen? Das hatte ich ein paar Tage bevor ich diese Stelle las, geschrieben:

„Vor allem einer von ihnen hatte sich mir eingeprägt. Bekleidet mit einem hellgelben Anzug, weißen Joggingschuhen und einem Strohhut, tauchte er zum ersten Mal leicht wankend an einem Septemberabend an der Kreuzung David Bagares gata auf, aber es war nicht so sehr seine Kleidung, die ihn von den anderen unterschied, sondern eher seine Ausstrahlung, denn während ich die anderen als Teil eines Kollektivs wahrnahm, ältere Männer, die ausgingen, um sich mit ihren Ehefrauen zu amüsieren, einander so sehr ähnelnd, dass man den Einzelnen sofort vergaß, wenn man woanders hinsah, war er auch dann noch allein, wenn er sich mit jemandem unterhielt. Am auffälligsten an ihm war jedoch der Wille, den er ausstrahlte und der in dieser Menschenansammlung einzigartig war. Als er in die Menge im Foyer hastete, wurde mir schlagartig klar, dass er nach etwas suchte und es dort nicht finden würde, wahrscheinlich auch nirgendwo sonst. Die Zeit war ihm davongelaufen, und mit ihr die Welt.“ (Knausgard, Sterben)

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Es gibt keine Eindeutigkeiten. Das Selbst muss man loslassen, um frei zu sein. Sich selbst darf man nicht aus der Hand geben, um sich nicht zu verlieren. Beides ist wahr.

Ebenso verhält es sich mit der Gleichgültigkeit. Die mir das Gefühl von Freiheit gibt, die gleichzeitig das Schlimmste ist, was passieren kann. Ein Ende der Gefühle, ein Ende der Ambivalenz.

Ebenso hier im Blog. Das Exhibitionistische immerzu von sich zu reden, wahrgenommen werden zu wollen, während doch andererseits die Notwendigkeit besteht, unbeeinflusst von außen ernsthaft zu arbeiten. Abgeschlossen und geduldig.

 

Anfangen und dranbleiben. Weil alles da ist, und es nur darum geht, dran zu kommen, zu graben und dann den Staub, den Dreck abzuklopfen, bis das, was eigentlich ist, der Kern, sichtbar wird. Das Überflüssige entfernen, ohne den Kern zu beschädigen. Darum geht es beim Schreiben.

 

Das Leben ist irgendwo da draußen, wo einem die Überheblichkeit nicht in jeder Pore steckt.