14. Dezember

Gestern während der langen Autofahrt zum Auswärtsspiel der Jungs vollkommen überrascht, wie viel Farbe die Natur Mitte Dezember noch aufbieten kann, gelbe Felder, rotes Laub, grüne Rasenflächen, und natürlich das unvermeidliche Grau.

 

Morgens, noch vor der Fahrt, die letzten Seiten von „Spielen“ gelesen.

Neben all dem, was völlig zu Recht in den Besprechungen über Knausgard erwähnt wird, ist es seine Geduld mit sich selbst, die mich beruhigt und die Tatsache, dass er sich nicht beurteilt, nur mit einer bewundernswert mutigen Aufrichtigkeit beschreibt, die mich so für ihn einnimmt, die mich so in einem Buch verschwinden lassen, wie mir das schon sehr lange nicht mehr beim Lesen passiert ist.

Das Schönste ist aber, dass Knausgard mir Mut macht, auszusteigen, nicht mehr dem hinterher zu laufen, was ich so lange als richtungsweisend angesehen habe, gerade weil ich dem Ganzen intellektuell nicht gewachsen bin. Dieses Dazugehörenwollen endlich aufgeben zu können.

 

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15 Gedanken zu “14. Dezember

    1. vielen Dank, Xeniana. Überrollen trifft es bei Knausgard sehr gut. Ich hatte den Namen bei Espedal gelesen, vielleicht vereinzelt auch gehört, ich weiß gar nicht mehr, warum ich das Buch dann in der Bibliothek ausgeliehen habe. Spielen, der dritte Band, und jetzt liegt Sterben hier, aber ich fange noch nicht damit an, weil ich weiß, dass ich dann ein paar Tage lang zu nichts anderem mehr komme.

  1. Seit Wochen will ich einen Artikel über Knausgard schreiben, ich las im herbst Sterben und Lieben von ihm, du hast in Worte gefasst, wo er mich abholte, endlich über das zu schreiben, was mich bewegt, egal, ob es schlau und klug ist oder andere unter banal ablegen- ich danke dir und wünsche dir einen feinen und bunten 3. Advent
    hier sind die Wiesen wieder grün und noch immer hängen Blätter an der linde vor der Türe, nur die Rose hat das Intermezzo Schneefall dann doch nicht überlebt
    herzlichst Ulli

    1. Auch an Dich einen herzlichen Dank, Ulli. Ich habe Sterben und Lieben noch vor mir, jetzt muss erst noch eine Menge Arbeit erledigt werden, bis ich mir das erlaube. Aber ich freue mich schon riesig darauf. Auch Dir einen besinnlich bunten dritten Advent.

    1. Ist gefährlich, Soso, wenn man einmal anfängt, kommt man so schnell nicht von ihm los, glaube ich, und das Projekt ist auf 6 Bände angelegt, von denen vier bereits auf Deutsch vorliegen. Freue mich, wie immer, auf Post von Dir.

  2. Ich denke, Du schaffst das, dass wieder mal ein neuer Anfang Dich weiter bringt und froh macht. Ein Stups in eine gute Richtung, das braucht jeder von Zeit zu Zeit.

  3. Gut. Ich meine auch, die eigene Richtung soll richtungweisend sein, und das eigene Tempo tempobestimmend. Und, frei nach Sherwood Anderson: „Wie alle klugen Menschen hatte sie eine übertriebene Vorstellung von der Klugheit anderer.” Ich meine: Lass Dich nicht bluffen von den Windmaschinen, von denen es im Internet, an den Universitäten und im wirklichen Leben einige gibt. Was Du machst, ist gut. (Deine) Echtheit berührt. Komisch, immer die Selbstzweifel! Ich jedenfalls zweifele nicht an der muetzenfalterin und an den muetzen, die sie fabriziert. Und auch wenn Du mal nichts fabrizierst, das nach außenhin sichtbar ist, bist Du doch trotzdem die muetzenfalterin! Für Dich gilt nicht: publish or perish. Nur das Falsche kann kaputtgehen, nicht das Echte. Wenn Dir danach ist, kannst Du einen Monat auf Tauchstation gehen – Du kannst sicher sein, wenn Du wieder da bist, sind wir auch alle wieder da. So ist das.

  4. Es ist schon merkwürdig, daß man so oft die richtigen Hinweise bekommt, genau die, die zum Erkennen und Überleben gemacht sind und immer im richtigen Moment…ich danke Dir sehr für den Knausgard, will so lang schon „Sterben“ lesen, jetzt werde ich es mir zu Weihnachten schenken! Ansonsten will ich mich gerne meinem Vorredner anschließen, laß Dich nicht von den Windmaschinen bluffen, ja, das glaub ich für uns alle! Ich bin Dir von Herzen dankbar für Deine Wahrhaftigkeit, ja, und es wäre so befreiend, das ganze „Dazugehörenmüssen-sollen“ endlich mal loslassen und davonfliegen zu lassen. Sei ganz lieb gegrüßt!

    1. Die Hinweise, und wie sie einen auf einmal erreichen, sobald man bereit dafür ist, das ist ein Phänomen, das ich lebenslang bestaune, vielleicht haben die Engel dabei ihre Hand im Spiel? Vielen Dank für Deine Worte.

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