Fragen

Es ist mir gar nicht bewusst gewesen, aber scheinbar habe ich mich schon seit Tagen mit dem Wesen der „Fragen“ beschäftigt.

Vor einiger Zeit schon habe ich folgendes notiert: Es gibt unterschiedliche Arten von Fragen, die, die mit ihrer Neugier und Anteilnahme, Türen öffnen, und die anderen, die dich bloßstellen, weil sie nichts wissen wollen [über dich], nur ein längst fertiges Bild von dir abgleichen wollen.

Und gestern dann in diesem Gespräch von Uljana Wolf, Alexander Gumz und Karla Reimert mit Anne Carson. Die Eingangsfrage von Wolf zielt gleich auf das Wesen der Frage ab. Was ist eine Frage? Und Carson antwortet, dass die wichtigste Frage die ist, was die Frage ist.

Sich Material und Informationen zu verschaffen ist heute vielleicht so leicht, wie niemals zuvor, und umso schwerer wiegt ja die Frage, worum es eigentlich geht, was eigentlich die Frage ist.

Und hier gleich wieder ein Einschub, denn wiederum vor ein paar Tagen, habe ich etwas von Maurice Blanchot gelesen. Blanchot schreibt: „Die Frage ist der Wunsch des Gedankens. Die Antwort ist das Unglück der Frage.“

 

Ich weiß nicht, ob ich Blanchot mit dem zweiten Satz folgen kann. Und will. Ich denke auch hier kommt es auf die Antwort an. Da gibt es solche, die weitere Fragen zulassen, und die anderen, die einengen, Räume schließen.

 

Carson sagt weiter: „Ich meine, man kann kein Gedicht schreiben, wenn man keine Frage hat. Man kann keinen Gedichtband zusammenstellen, wenn man keine Frage hat. Also – was ist eine Frage? Ist die Frage.“

 

Ehrlich gesagt, überfordert mich das ein wenig. Ich nehme es Carson fast übel, dass sie mich so allein lässt mit der Frage nach dem Wesen der Frage, der Beschaffenheit, wie auch immer. Dass sie mir keinen Weg zeigt, wie ich vielleicht keine Antwort, aber den Weg zu einer Antwort finden kann. Oder übersehe ich den Hinweis, den sie vielleicht doch gibt?

 

 

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