Anne Carson, Wasser

Wasser in seinen unterschiedlichen Aggregatzuständen, und die Frage, ob es diese Aggregatzustände beim Menschen auch gibt.

Ein Stamm, eine Volksgruppe, die ihre Anlagen aus bislang nicht nachvollziehbaren Gründen, verbrannten, immer wieder, mit einer gewissen Regelmäßigkeit, wird – aus genau diesen Gründen – für religiös gehalten, schreibt Carson, und ich kann nicht umhin das auch, gerade im aktuellen Kontext, als zutiefst sarkastischen Kommentar zum Zeitgeschehen, oder vielmehr zur „Anthropologie“ zu lesen.

 

Anthropologie des Wassers wäre demnach auch so etwas wie der Versuch herauszufinden, was Wasser und Mensch gemeinsam haben, wo der Mensch wie Wasser ist, und wo das Wasser menschlich erscheint. Wiederum wie in diesem Satz über die Hoffnung der Pilger.

Was erhofft sich das Wasser?

Weiterhin frei von jeder Hoffnung zu sein?

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10 Gedanken zu “Anne Carson, Wasser

  1. Oh, gut dass du das schreibst, wo ich noch am Anfang des Buches bin. So kann ich deine Frage mitnehmen auf meine Mitpilgerschaft. Und eben auch den Menschen, der ich bin, und der mitpilgert und der rein physikalisch gesprochen aus sehr viel Wasser besteht, daraufhin abklopfen, wie es mit der Hoffnung ist. Oder ist das wohl einer der großen Unterschiede zwischen Wasser und uns?
    Und ist, wer frei von Hoffnung ist, frei von Illusion?

    1. Vielleicht, denke ich gerade beim Lesen eurer Kommentare, ist auch das Wasser nicht frei von Hoffnung (die von mir gewählte Formulierung ist ja an sich paradox), aber von der Erwartung. Vielleicht lässt es sich einfach treiben, und braucht dazu nicht einmal Vertrauen, geschweige denn Illusionen.

      1. Wozu wir Illusionen wohl brauchen? Sind sie notwendig, not-wendend um das Leben aus einer neuen Richtung zu betrachten oder sind sie nichts als Leerlauf? Und die Hoffnung, hält sie uns nicht davon ab, dem Leben, wie es ist, entgegenzutreten, weil wir, insgeheim, hoffen, dass es vielleicht doch nicht ganz soo böse ist? Ich bin mal wieder in der Denkmaschine … Danke für die Anregungen!

      2. Hoffnungen halte ich für gut, sie sind für mich so etwas wie Treibstoff, damit alles weiterläuft, auch wenn der Weg mal ziemlich steil ist. Für mich sind es die Erwartungen, die ich loswerden möchte. Die sind es, die den Blick einengen und zu Enttäuschungen führen, die gar nicht not-wendig sind, sondern schlicht und einfach überflüssig.

      3. Ich sehe es auch so. Aber über Nicht-mehr-hoffen nachzudenken, finde ich dennoch sehr spannend. Dennoch bin ich froh, dass ich hoffen kann. Noch immer. Worauf eigentlich? Hm … es denkt weiter …

  2. Hofft das Wasser?
    Vielleicht liegt die Gemeinsamkeit ganz lapidar in der Neigung, nach Möglichkeit den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. (Oh, Desillusionierung) Um möglichst schnell und reibungslos das Meer zu erreichen. (Ja!) Weil dort endlich alles gut ist. (Also doch von einer Hoffnung getrieben?)

    1. Ist im Meer endlich alles gut? Oder geht der Weg nicht auch von dort aus weiter, für das Wasser? Das, was das Wasser so anziehend, beruhigend und tröstend macht ist vielleicht in erster Linie die Kraft und Ruhe, die darin liegt, dass hier etwas fließt, ohne denken zu müssen. Wasser geschieht einfach. Getrieben von nichts, außer seiner Natur.

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