Form

Die Form, die sich in allem manifestiert. Oder in der sich alles erst festhalten lässt, Bewusstheit erlangen kann?

In der Art, wie wir über das schreiben, was uns überhaupt auffällt, wie sehr wir dabei von uns absehen können. Wobei die Fähigkeit von sich selbst abzusehen, wiederum Bedingung ist, im schrittweisen Erkennen, sich selbst zu finden. Das Selbst als winziges Verbindungsglied zwischen den Bruchstücken, Scherben, Fragmenten.

Darum die Vergleiche, die Spiegel.

„Flüchtige Blicke auf die nackten Figuren der Seele“ (Anne Carson)

In „Glas, Ironie und Gott, dem ersten Buch von Carson, das ins Deutsche übertragen wurde, schreibt sie über Emily Brontes „totale Unterwerfung unter ein schöpferisches Projekt, das sie weder verstehen noch beherrschen konnte.“

Die Zwiespältigkeiten und Widersprüche zwischen Körper und Geist und Anne Carson, die den Sitz der Seele „zwischen Körper und Geist“ lokalisiert, „wie eine Oberfläche aus Mühlsandstein,

wo solche Not sich herausschält.“

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6 Gedanken zu “Form

  1. ich werde Anne Carson lesen, wann weiss ich noch nicht, aber sie steht jetzt auf meiner Liste, sie gibt viel Futter zum Nachdenken und -spüren, danke dass du dies so vermittelst!
    Im Buddhismus kennt man den Begriff der Seele nicht, dort wird zwischen Geist und Geist unterschieden, was aber letztlich das Selbe zu sein scheint. Mir gefällt das Bild vom Mühlstein …

  2. Kannst du mir Carson-Neuling einen Tipp geben, welches ihrer Bücher ich zuerst lesen könnte?
    Du machst mich immer neugieriger. Sie hat eine Sprache, die sehr mit meiner innern Bilderwelt resoniert. 🙂

  3. Nun habe ich den Text zwei Mal gelesen und verstehe ihn leider nicht.
    Zumindest die ersten 9 Zeilen nicht.
    Welche Form manifestiert sich in allem, und was meinst Du mit „absehen von sich selbst“? Was verstehst Du in diesem Zusammenhang unter dem Selbst, vor allem, wenn es bloß ein winziges Verbindungsstück ist.
    Ich stehe wirklich auf dem Schlauch…
    Wenn Du magst, würde ich mich über eine Erklärung sehr freuen, denn es beschäftigt mich. 🙂

    1. Ich finde es schön, dass Du nachfragst, dass Du diesen Text so ernst nimmst, meine Suche nachzuvollziehen suchst. Form meint einfach Formulieren, ob als Gedanke oder in der Niederschrift, erst ist da ein Gefühl, aber beinahe sofort wird es eingeordnet, begrenzt, indem wir es aussprechen, andenken… Schwieriger ist die zweite Frage. was „absehen von sich selbst“ bedeuten soll. Vielleicht nicht unbedingt eine so unbedingte Art sich selbst loszuwerden wie sie Simone Weil verfolgt hat, mit ihrer Decreation, ihrer Rückschöpfung, aber schon etwas in der Art, was Carson über Emiliy Bronte schreibt, etwas finden, dem man sich unterordnen kann, eine Idee, der man „dienen“ kann, ich glaube wirklich, dass diese Art von Demut sehr befreiend sein kann. Am schwierigsten ist sicher Deine letzte Frage zu beantworten, denn sie funktioniert nur, wenn ich mich mit dem Vorangegangenen halbwegs verständlich machen konnte, Und ich versuche es vielleicht anhand eines kleinen persönlichen Beispiels zu erläutern, wenn ich in der glücklichen Situation bin, dass mich ein Thema voll und ganz gefangen nimmt, dann sehe ich überall kleine Bruchstücke, Scherben, Puzzleteile und genieße meine Aufgabe, sie zusammenzutragen und zu versuchen, sie zu verbinden.
      Jetzt würde mich wiederum sehr interessieren, inwiefern Du meine Antworten nachvollziehen kannst.

  4. Vielen Dank, liebe Mützenfalterin.

    So ergibt das Ganze für mich Sinn. Du musstest mich erst einmal an einer ganz anderen Stelle abholen, denn auf Decreation, also Selbstentäußerung bin ich nicht im Entferntesten gekommen. Mir war auch nicht klar, dass es bei Form um das Formulieren ging.
    Wie sehr Worte begrenzen, und wie wichtig es ist, nicht einfach über etwas nachzudenken, mit zum Einen abgenutzten und zum Anderen festlegenden Begriffen verstehe ich.
    Ich glaube Heidegger war es, der auch deswegen immer wieder Neologismen schuf und der sagte, dass er nicht über etwas nachdenkt, sondern etwas denkt. Eine wichtige Unterscheidung, wie ich finde.

    Am Ende ist es Dein Selbst, dass die losen und ungeordneten Teile sieht und zusammensetzt, nachdem es sich in einen Zustand der Selbstentäußerung, des von-sich-Absehens gebracht hat.
    Danke für das Erklären, dem das Verstehen folgt.
    Ob das bei mir auch so funktioniert, weiß ich nicht, werde aber darüber nachdenken.

    Einen schönen Tag Dir!

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