Wolfgang Herrndorf

Gestern in der Zeit Vorabdruck und Besprechung des Romans, den Herrndorf nicht mehr zu Ende schreiben konnte. Isa hat er ihn in seinem Blogtagebuch genannt, dann hat er sich für den Titel „Bilder deiner großen Liebe“ entschieden.

Er war so fasziniert von seiner Figur, von der in Tschik nur kurz auftretenden Isa, dass er weitermachen musste, wie Salinger, der immer wieder von der Familie Glass schrieb.

Isa das verrückte Mädchen von der Müllkippe. Wer, wenn nicht Herrndorf, dürfte über Verrückte schreiben, darüber wie es sich anfühlt, wenn der Wahnsinn wieder näher kommt und von der Sehnsucht davor zu fliehen, frei zu sein.

Klar ist das Scheiße den persönlichen Hintergrund des Autors in die Lektüre einfließen zu lassen. Vermeiden lässt es sich trotzdem nicht.

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5 Gedanken zu “Wolfgang Herrndorf

  1. Warum ist das Scheiße? Alle Werke von Beethoven sind groß, aber die 9. ist genial, weil er bei dieser Komposition bereits fast taub war. Alle Werke von Herrnforf sind groß. Sich selbst besiegt hat er sich als Autor, ab seinem Tumor. Weil er sein Talent mit seinem Schicksal vereinigt hat. Was gäbe es Besseres und Größeres?

    1. Aber Beethoven wurde nie nach seiner Krankheit gemessen. Bei Hermdsorf geschieht das ständig, selbst jetzt noch, wo er tot ist und sich diesen selbst ausgesucht hat, weil er keinen Bock mehr auf Schmerzen hatte.
      Libuse Monikova hatte einen ähnlichen Kampf, sie schrieb bis zuletzt an ihrem Roman, kurios, das bei ihr die Krankheit nicht erwähnt wird, vielleicht hätte er diesen Blog nicht führen sollen, da würde er nur nach seinen Texten beurteilt, nicht wie krank er war

      1. Ja, verdammt, das ärgert mich auch, immer heißt es, daß das der Autor ist, der mit dem Hirntumor, der sich umbrachte. Meine Güte, das ist wirklich eine Gratwanderung, ich selber weiß ehrlichgesagt auch nicht, wo das eine anfängt und das andere aufhört und ich gestehe, daß ich ihn erst gelesen habe als er tot war, ich kannte ihn vorher gar nicht. Ich habe den Blog gelesen und dieser Text hat mich aufgesogen mit Haut und Haar, mit allem, was einen Menschen ausmacht, ja, auch mit Krankheit und Tod und mit der Entscheidung, wie es zu geschehen hat, damit es selbstbestimmt sein kann, aber darüber hinaus mit allem, was das Leben ausmacht. Ich habe diesen Text ein paar mal verschlungen, weil er über alles hinaus einfach großartig geschrieben ist, verdammt, das hätte ich ihm gerne noch gesagt, jetzt muß es im Nachtrag geschehen. Was mir nicht gefällt ist, daß es ein Buch werden musste, mir ist, als gehörte es als Blog in die unendliche virtuelle Zwischenwelt…oder? Ja, wie Candy schreibt, daß er sein Talent mit seinem Schicksal vereinigt hat, ja, da ist was dran. Ich weiß wirklich nicht, ob ich jemals einen besseren Text gelesen habe wie diesen Blog, Dank zu den Sternen hinauf, Wolfgang Herrendorf!

  2. Ich glaube nicht, dass Beethovens Neunte weniger erhaben klingt, wenn der Hörer nicht weiß, dass Beethoven zur Zeit der Komposition nahezu blind war, und genau darum geht es mir bei dem Satz, der mit Scheiße anfängt. Das Werk, der Text muss doch für sich stehen können, und das tun die Texte Herrndorfs ja auch, ich fand ihn schon damals auf den Bachmanntagen großartig mit dieser Geschichte „Diesseits des Van Allan Gürtels“, und sein „Arbeit und Struktur“ ist ja nicht nur beeindruckend, weil es zeigt, wie einer bis zuletzt um Selbstbestimmung kämpft, sondern es ist auch ein großer Trost zu begreifen, wie eine Berufung, die man ernst nimmt, die man annimmt, in den extremsten Situationen helfen kann. Vielleicht ist es das, was Candy meint mit der Vereinigung von Schicksal und Talent, dann stimme ich voll und ganz zu. Trotzdem, oder gerade deshalb, verdienen es seine Texte doch von diesem Schicksal abgesehen, gewürdigt zu werden.

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