Anne Carson

Zeit – dieser unheilbare Bruch in unserer Geschichte. Unseren Geschichten. Und die großartigen Versuche, diesen Bruch zu heilen.

Marguerite Duras, die immer wieder so von dem Fehlen erzählte, den Lücken und Leerstellen, der Verweigerung zu erzählen, dass sie der Zeit jegliche Bedeutung nahm.

Und jetzt begegne ich Anne Carson, die das Gespräch mit Sappho ebenso selbstverständlich führt, wie das mit Simone Weil oder Monica Vitti.

Dieser Glaube an ein Lied aus reinem Nichts.

 

Oder wie Carson es angeht, die Suche, das Nachspüren von etwas, das inkognito bleibt.

Wie sie zum Beispiel fragt, welches etwas sich im Schlaf verbirgt und Antworten sucht, oder vielmehr aufscheinen lässt von Lacan bis Aischylos. Dieses archaische etwas zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit.

Die Macht mancher Menschen über andere, die sich „zum Teil aus einem Stück Inkognito im Inneren [ihres] Wesens speist.

Und wie Carson all ihre Überlegungen schließlich in eine „Ode an den Schlaf“ fließen lässt, so dass man das vorher Gelesene nun rückwirkend wie die Entwicklungsgeschichte dieses Gedichtes lesen kann.

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11 Gedanken zu “Anne Carson

    1. Dieses Lied aus reinem Nichts geht mir seit 2009, als ich es das erste Mal gelesen habe, indem Band „Gegenstrophe“ vom Wehrhahn Verlag, nicht aus dem Sinn. Für mich ist dieses Gedicht einer der Urtexte des Dichtens überhaupt.

  1. carson war und ist mir eine offenbarung. nicht nur wegen der sapphotexte. glas. ironie und gott hatte mir damals die bobliothekarin vom literaturinstitut empfohlen und seitdem las ich jedes zipfelchen, das ich erfassen konnte.

    1. Ich habe sie tatsächlich erst mit Decreation entdeckt, (die vorhergehenden Bücher sind bestellt), und kann gar nicht aufhören, ihre Texte wieder und wieder zu lesen. Eigentlich sollte ich eine Besprechung schreiben, aber in mir sträubt sich alles dieses komplexe Gedankengut in etwas „Handhabbares“ herunterzubrechen.

      1. ja aber besprechen heißt ja nicht ablegen. die lektüre setzt ja sicher gedanken frei. formuliebar. vielleicht wirr. aber wertvoll, denke ich. ich würde sie jedenfalls gern lesen

  2. Ich schreibe auf jeden Fall eine Besprechung. Und viele formulierbare Gedanken sind da auch, es fällt mir nur schwer, mich zu beschränken, einen Aspekt, oder roten Faden zu suchen, an dem entlang ich erzählen will. Es ist so ein blödsinniger Anspruch dem Gelesenen gerecht zu werden.
    Aber die Idee, dass Du darauf antwortest finde ich wunderbar. Carsons Buch ist ja (wie jede wirklich gute Literatur) ein Angebot zum Gespräch, da fände ich das sehr passend.

  3. liebe Mützenfalterin, du Inspirantin des geschriebenen Wortes! Das ist Labsal, danke. ich möchte auf der Stelle mehr lesen und dieses Lied aus dem und für das Nichts werde ich noch oft lesen- danke

    bin gespannt auf deine besprechung, wann auch immer noch …

    liebe Grüsse
    Ulli

    1. Vielen Dank, Ulli. Das ist sehr schön, dass ich Dich mitnehmen kann, mit meiner Begeisterung für diese Texte. Die Besprechung wird noch dauern, aber erst einmal geht das Lesetagebuch weiter. Ohne Beschränkung und mit der Erlaubnis, sich zu irren oder zu wiederholen…

  4. Wow! Ich bin „gefasst“. Trotz der langen Liste ungelesener Bücher…Das bestelle ich! Noch vor der Besprechung (auf die ich aber sehr gespannt bin und mich freue).

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