Anne Carson

Zeit – dieser unheilbare Bruch in unserer Geschichte. Unseren Geschichten. Und die großartigen Versuche, diesen Bruch zu heilen.

Marguerite Duras, die immer wieder so von dem Fehlen erzählte, den Lücken und Leerstellen, der Verweigerung zu erzählen, dass sie der Zeit jegliche Bedeutung nahm.

Und jetzt begegne ich Anne Carson, die das Gespräch mit Sappho ebenso selbstverständlich führt, wie das mit Simone Weil oder Monica Vitti.

Dieser Glaube an ein Lied aus reinem Nichts.

 

Oder wie Carson es angeht, die Suche, das Nachspüren von etwas, das inkognito bleibt.

Wie sie zum Beispiel fragt, welches etwas sich im Schlaf verbirgt und Antworten sucht, oder vielmehr aufscheinen lässt von Lacan bis Aischylos. Dieses archaische etwas zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit.

Die Macht mancher Menschen über andere, die sich „zum Teil aus einem Stück Inkognito im Inneren [ihres] Wesens speist.

Und wie Carson all ihre Überlegungen schließlich in eine „Ode an den Schlaf“ fließen lässt, so dass man das vorher Gelesene nun rückwirkend wie die Entwicklungsgeschichte dieses Gedichtes lesen kann.