Als würde es mich nicht geben, ohne die Zumutungen der Zukunft

Von der Zügellosigkeit der Zeit habe ich einmal geschrieben. Und das ist sowohl wahr als auch Unsinn, die Zeit zügellos zu nennen. Was hat die Zeit mit Zügeln zu schaffen? Und andererseits gibt es kaum etwas, dem wir so unterliegen wie der Zeit. Gestern ein Video gesehen in dem im Zeitraffer von fünf Minuten ein kleines Mädchen zur alten Frau wird, ohne Übergänge, ohne dass man es wirklich fassen kann.

Was bleibt sind schwer definierbare Fixpunkte, der Blick, die Nase, weniger der Mund. Und Erinnerungen.

Ein unerschöpfliches Wort, mindestens ebenso zügellos wie die Zeit. Unerschöpflich. Für mich.

Zum Beispiel diese Eigenart, mir keine Erinnerung zu erlauben, ohne den mit der Erinnerung einhergehenden Schmerz. Es ist mir nicht möglich, die schönen Momente wach zu rufen, noch einmal vor mir zu sehen, ohne augenblicklich zu bedauern, dass sie unwiderruflich vorbei sind.

Als wäre das der Kern der Geschichte von Orpheus und Eurydike. Der Grund für das Verbot, sich umzudrehen.

14 Gedanken zu “Als würde es mich nicht geben, ohne die Zumutungen der Zukunft

  1. dieses bedauern beim sich-an-schönes-erinnern habe ich ganz langsam durch dankbarkeit ersetzen können, was mich dankbar macht (dass es geht, sowas).
    den zeitrafferfilm tät ich mir gerne anschauen, tolle idee!

    (schön, dass du wieder da bist!)

    1. Dankbarkeit ist ein großartiger Ersatz für Bedauern. Ich glaube es funktioniert auch immer da, wo nicht eigene Versäumnisse mit im Spiel sind. Ich könnte noch seitenlang dazu schreiben, und vielleicht mach ich das ja mal bei Gelegenheit.

  2. Ich hätte auch Interesse an den Zeitrafferfilm. Das hört sich sehr beeindruckend an.
    Die Zeit und das Glück, welch eine Kombination! Darüber kann jeder sein Leben lang nachdenken!

  3. Wie schon in meinem Blog geschrieben…
    “Schöne Tage – nicht weinen, dass sie vergangen, sondern lächeln, dass sie gewesen.”
    Rabindranath Tagore

  4. >> Die Zeit ist buchstabengenau und allbarmherzig. <<

    beim lesen deines textes, liebe mützenfalterin, sprang das hölderlinzitat mir in die gedanken und geht mir nun nicht aus dem sinn, so dass ich es also hierher schreibe.
    ganz sicher bin ich (erlebe es aktuell am eigenen leib), dass ein neuer, weiter raum, ein frei-raum sich öffnet, wenn es gelingt, erinnerungen von den verlustinduzierten bitteren emotionen zu reinigen, zu lösen. aber das ist ein prozess und will erarbeitet sein und hat, ja, viele facetten. danke jedenfalls, dass du mit deinem text diesen bereich angesprochen hast.

  5. . . . diese Eigenart, mir keine Erinnerung zu erlauben, ohne den mit der Erinnerung einhergehenden Schmerz. Es ist mir nicht möglich, die schönen Momente wach zu rufen, noch einmal vor mir zu sehen, ohne augenblicklich zu bedauern, dass sie unwiderruflich vorbei sind.

    Glück / Vergänglichkeit / Schmerz

    selten so tief empfunden, wie bei diesen wenigen Zeilen!

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