Zwischen Begreifen und Beschränkung – Die Zukunft der Literatur

Anlässlich ihres 50jährigen Bestehens fragte die Literaturzeitschrift Text und Kritik nach der Zukunft der Literatur.

Gerhard Falkners Antwort ist eine Warnung.

Eine Warnung vor dem Primat der ökonomischen Verwertbarkeit.
Wie soll sich etwas entfalten, fragt er, das von vornherein „nützlich“, wirtschaftlich sein muss?
Derartige Bedingungen begünstigen eine „Literaturimitation“, d.h. es wird Literatur hergestellt, die sich eignet, Anträge zu stellen, alle und alles bleibt tunlichst an der Oberfläche, denn „sie wollen nicht wissen, was sie tun.“
Um dieses Nicht wissen wollen geht es im Kern. Als Folge einer verkümmernden Literaturproduktion und als etwas, das mit dieser Art von Literatur und deren Verbreitung einhergeht.
Literatur wird in erster Linie als Kommunikation betrieben, als Tauschware gegen Aufmerksamkeit und vor allem Zugehörigkeit in einem wirtschaftlich funktionierenden Betrieb. Naturgemäß passt der „innere Monolog“, der „bis vor zwei oder drei Jahrzehnten die Energiequelle der Literatur schlechthin“ war, nicht länger in so ein Konzept.
„Das Internet“, schreibt Falkner, „stellvertretend für das ganze gigantische Mediengebilde, ist die Zeit, die der Literatur verloren gegangen ist.“
Es leuchtet ein, dass in dieser Atmosphäre kein Platz ist für die „Wiedererfindung des Selbst in einem Zeit-Raum, der in aller Absicht nicht der Effektnützlichkeit von Geld-, Sozial- oder Muskelwerten dient“ (Ulrike Draesner im selben Band).
Reflektion findet kaum mehr statt. „Das Spiel mit dem eigenen verebbt“ (Falkner). Die „Kommunikationsnarkose“ lässt den inneren Monolog langsam aber sicher absterben.

Unterstützt wird dieser Prozess von der Literaturkritik, die ebenfalls Marktzwängen unterliegt. Feuilletons werden kaputt gespart und verkommen zu Werbeplattformen des marktkonformen Literaturbetriebs. Nicht zuletzt weil Zeit und Geld fehlt, um anspruchsvolle Literatur angemessen besprechen zu können. „Jeder Kritiker muss komplexe Literatur quasi auf „eigene Kosten“ besprechen, und die Kluft zwischen Aufwand und Ertrag wird immer unsinniger.“

„Literatur schenkt uns Zeit, unser eigenes Leben zu begreifen“, schreibt Ulrike Draesner, und die Zukunft der Literatur wird entscheidend davon abhängen, für welche Werte wir uns einsetzen, bzw. wer vor lauter Wirtschaftszwängen und Funktionieren noch den Mut findet, das eigene Leben und die eigene Beschränktheit zu begreifen.