Ordnung

Sie hat diese Unordnung um sich verbreitet. Eine Unordnung, die täglich zunimmt. Die sie aufnimmt.
Sie nimmt ein Buch in die Hand, liest ein paar Zeilen, steht auf, geht zur Tür, schließt das Fenster, erinnert sich an die Suppe im Topf, die umgerührt werden muss, an die Wäsche, die aufgehängt werden muss. Sie lässt das Telefon klingeln. Sie möchte sich ausmalen, wer der Anrufer sein könnte, nicht wissen, wer es ist.
Ihr Blick fällt auf die Kinderzeichnungen, die langsam vergilbend immer noch an den Wänden hängen. Sie verachtet sich für ihre Schwäche, die Unfähigkeit, etwas mit sich anzufangen. Ein Muster in der Unordnung zu erkennen, sich zu entscheiden einen Faden aufzunehmen und weiter zu weben. Nur für sich.
Sie hat diese Unordnung um sich verbreitet. Eine Unordnung, die täglich zunimmt. Die sie aufnimmt.

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4 Gedanken zu “Ordnung

  1. Es ist sogar ein „mehr“ als gefällt mir!
    Ich kann mich gut in die geschilderte Person hineinversetzen.
    Ich arbeite so, nehme die Fäden aber immer wieder auf und sehe es nicht als Unordnung, es ist ein eigenwilliges Arbeiten….

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