04. Juli

Sie nennen das Schrei, schreibt Thomas Brasch. Ich selbst habe noch keinen Namen dafür. Für den fortwährenden Verlust, den ich Fluss nennen soll. Leben.
Mein Kind, das noch schlaftrunken, seine Stofftiere zu Zweiergruppen ordnet. So lässt sich der Verlust der Kindheit leichter ertragen. Geteilt. Mit Liebe.
Egal, wie man es nennt.

5 Gedanken zu “04. Juli

  1. Was da dem Kind an Motiv und Absicht unterstellt wird … Ist es nicht Projektion? Warum ist sie nötig? Ist der Schmerz so groß, dass er in kleinen Portionen auf Platzhalter verteilt werden muss? Dass er in Geschichten und Metaphern fließt, dem Meer und dem Fluss und erdachten Figuren übergeben wird? Und aber eben auch Menschen, die um uns sind und in denen wir uns gespiegelt finden (möchten) in unserem Schmerz, um durch unser Verständnis für sie endlich auch selbst verstanden zu werden wie von außen.
    (Das frage ich nicht nur dich, liebe Mützenfalterin, sondern auch mich und über diesen kleinen Text hinausgehend.)

    1. Danke für den wertvollen Hinweis. Das weil lenkt den Text tatsächlich in eine nicht von mir beabsichtigte Richtung. Ich werde das sofort ändern. Denn nichts lag mir ferner, als dem Kind etwas zu unterstellen. Ich rede hier (und eigentlich in fast allen Texten) nur von mir und meiner Sicht auf die Welt.

  2. ist es denn wirklich nur Verlust, wenn wir auf unserem Lebensweg weiter wandern? Ist da nicht auch Gewinn von etwas anderem, etwas Neuem …
    Oder ist es HEUTE so, weil wir unseren Kindern keine gescheite Perspektive aufweisen können, in einer Welt, die mehr stirbt, als dass der Versuch unternommen wird, sie lebenswert zu erhalten?

    1. Claudia Kilian hat mir kürzlich zu meinen das Alter betreffenden Überlegungen, den schönen Satz geschrieben, es sei eine Chance. Theoretisch sehe ich es durchaus als Chance. Praktisch bin ich leider noch nicht so weit. Außerdem war ich nie gut im Loslassen, vielleicht weil ich zu wenige behutsame Abschiede erleben durfte.

      1. Liebe Elke,

        als ich am Anfang der Wexeljahre war, hatte ich eine Begegnung mit einer Traumatherapeutin in FR … ich werde nie vergessen, wie sie zu mir sagte, dass dies eine heftige Zeit sei, so vieles gelte es loszulassen und auch anzuschauen, was bisher keinen Raum gehabt hat, aber wenn man dann dadurch gegangen ist, dann HALLO, untermalt von einer Bewegung der Kraft …

        Wexeljahre beinhaltet für mich mehr, als nur das Ausbleiben der Mens, da galt es Abschied von meinen Kindern zu nehmen, der Wexel von Berlin in den Schwarzwald war gerade geschehen und und und … es kamen wirklich noch viele Jahre des „Durchgehens“, ja, auch des Loslassens (irgendwie mag ich das Wort nicht mehr, es hat sich abgenutzt) und es hat lange gedauert, bis das Aber-Hallo einsetzte … erin paar Jahre habe ich es geniessen dürfen, nun gibt es wieder neue Themen, die etwas mit dem Verlust der körperlichen Energie zu tun hat, die mich doch mehr beutelt, alsmir lieb ist- und doch … in all dem sehe ich auch eine Chance …

        behutsame Abschiede … das klingt in mir nach, sie sind wahrlich selten!

        Mut ist für mich ein Zauberwort für all das …
        und den wünsche ich dir von Herzen
        Ulli

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