Oder Europa?

 

Kann Europa so etwas wie eine Heimat werden?

Irgendwann?

Ein Ort, an dem wir uns gemeinsam sicher fühlen können?

 

Im aktuellen SZ Magazin haben Schriftsteller aus zehn Mitgliedsstaaten kurze Gedichte über ihr Land verfasst, und die einzige Gemeinsamkeit, die ich in den Gedichten finden konnte, war das Bewusstsein für ein Fehlen. Ein Fehlen von Solidarität und Menschlichkeit. Sheptim Selmani schreibt für den Kosovo:

 

„Am ersten Tag wurde das Blut erschaffen,

am zweiten Tag der Tod,

am dritten Tag war von Liebe die Rede,

dann war kein Tag mehr übrig für die Menschen.“

 

und Sasa Stanisic skizziert Deutschland:

 

„Die Geheimnisse sind wir los. Abgegeben, wie unsere gut gebauten Waffen,

unfreiwilliger. Schütteln Babys, verliert Bayern ein Spiel, wir sind bischofs-

residenzschön. Wetten, dass unser Bier übernimmt, ein Denkmal für Erwin

Rommel, unsre Epen, unsre Migranten am Theater, unsre russische Energie.“

 

Wer weiß, vielleicht ist das Bewusstsein, dass etwas Grundlegendes fehlt, zusammen mit dem Erkennen „unsrer Migranten am Theater, unsrer russischen Energie“, ja ein Anfang, um so etwas wie eine menschliche Heimat aufzubauen. Und irgendwann viel später können die Generationen nach uns sagen: Am Anfang war die Utopie.

 

 

 

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