Ein unvollständiger Text über Zugvögel, Bananenröcke und das Schuhebinden

Es ist ein wohlbekanntes Phänomen, dass man, sobald man eine Fragestellung im Hinterkopf hat, Verbindungen findet, Hinweise. Einfach weil sich der Blick öffnet für Dinge, die mit der Frage zu tun haben. So ist es sicher kein Wunder, dass ich diesen Text entdeckt habe, der nicht nur wunderschön ist, sondern auch ganz wunderbar in das Heimatprojekt passt, dass ich vor einiger Zeit hier begonnen habe.
Herzlichen Dank noch einmal an Asallime, dass ich hier auf ihn hinweisen darf.

asallime

„…wo ich lebe, da will ich nicht sterben, aber

wo ich sterbe, da will ich nicht hin:

Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin.“

Thomas Brasch

Als Grundschülerin war für mich der Inbegriff von Reichtum, auf einer Treppe im eigenen Haus zu sitzen und sich die Schuhe zuzubinden – so wie es manche meiner Freundinnen taten, wenn ich sie zum Spielen abholte. Sie wohnten im Villenviertel in Häusern, die meist schon ihren Großeltern gehört hatten. Und wenn nicht, dann lebten die Großeltern nur ein paar Straßen weiter.

Weder meine Eltern noch ich sind in der kleinen Stadt, in der ich die katholische Grundschule besuchte, geboren. Meine Großeltern haben nie im selben Land wie ich gewohnt. Ohnehin, drei Viertel meiner Großeltern waren bereits tot als ich eingeschult wurde. Bis heute kann ich nicht nachvollziehen, wie es ist, dort aufzuwachsen, wo die eigenen Eltern und vielleicht sogar die Großeltern bereits aufwuchsen…

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5 Gedanken zu “Ein unvollständiger Text über Zugvögel, Bananenröcke und das Schuhebinden

  1. „Wenn ich ihm schon keine Wurzeln bieten kann, so hoffe ich, dass er wenigstens ein Zuhause haben wird.“ dieser schlusssatz fasst wunderbar zusammen, was ich immer wieder ahne. dass auch ein zuhause eine art heimat werden kann. inneres zuhause ebenso wie äusseres, materielles.
    danke fürs rebloggen, liebe e.. ja, ein sehr kostbarer beitrag zu „deinem“ thema!

    1. Ich freue mich, dass der Text mindestens eine weitere Leserin gefunden hat und dir gefällt! Mich berührt deine Überlegung zum Zuhause als Heimat… vielleicht war das in meiner Kindheit und Jugend ein Teil des Problems für mich… selbst mein Zuhause bot mir keine Heimat.
      Was du schreibst erinnert mich an ein Interview mit dem Regisseur Rafi Pitts, der ebenfalls im Exil aufgewachsen ist. Er sagte, er befinde sich immer in dem Land, in das ihn die Menschen, mit denen er gerade zusammen ist, versetzen. Sitzt er etwa in Paris mit vielen Iranern beim Essen, dann ist er im Iran, nicht in Frankreich. So geht „Heimat“ auch!

      1. heimat ist wie liebe oder zufriedenheit kein allgemein fassbarer begriff und schon gar nicht etwas, das man „machen“ kann. ich ahne, dass wir sie letztlich eben nur in uns finden können. dein beispiel mit dem regisseur pitts geht in eine ähnliche richtung. ich wünsche dir und deinen texten viele leserInnen. ich schaue gerne wieder herein …

  2. Lieben Dank vor allem auch von mir, ich fühle mich sehr geehrt, auf deiner sehr schönen Seite und in deinem Heimatprojekt einen Platz erhalten zu haben. Und ich freue mich auf neue Rückmeldungen, Denkanstöße und Leserinnen und Leser!

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