Bekenntnisse

 

Habe ich Angst gehabt vor der (offensichtlichen) Schwäche meiner Mutter?

Vermutlich ja. Aber ich hätte es nie benennen können. So lange sie lebte, hätte ich es vermutlich geleugnet. Nicht im Sinne einer Lüge. Einfach aus Unkenntnis. Unkenntnis meiner Gefühle. Meiner selbst. Ich wusste nicht, wer ich bin, weil ich nicht wusste, woher ich kam. Ich verleugnete die Bedeutung von Herkunft. Meine eigene Bedeutung. Das ist meine Schwäche. Meine Angst. Mein Erbe.

Nicht jammern“, schreibt Joan Didion auf eine Karteikarte. „Nicht klagen. Härter arbeiten. Mehr Zeit allein verbringen.“

Ich will mich nicht mit Didion vergleichen, deren glasklaren, sich selbst gegenüber rücksichtslosen Stil, ich bewundere, aber diese Imperative kommen mir sehr vertraut vor. Diese Imperative sind meine (immer wieder wirkungslosen) Versuche der Angst etwas entgegen zu setzen. Sie zu überwinden. Um schließlich so etwas zu erreichen, wie einen bescheidenen Glauben an mich selbst. Die Eitelkeit eintauschen zu können gegen ein Bekenntnis. Ein Bekenntnis zu mir.

 

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5 Gedanken zu “Bekenntnisse

  1. Wenn man älter wird, durchschaut man bei anderen auch Schwächen, kann dann sagen: im Vergleich geht es mir gut, bin ich echt nicht der letzte Dreck! Ich habe mein „Schmuddelkindimage“, das mich begleidet hat, ziemlich abgelegt. Sherry hat ja auch darüber geschrieben, wie sie an der Aufgabe gearbeitet hat, das hat mir gefallen.

  2. Es steckt eine große Seelenarbeit dahinter, wenn man sich befreien will. Da helfen Imperative anfangs, aber Gefühl bleibt Gefühl und Schwäche bleibt Schwäche. Darum finde ich den letzten Gedanken, den Wunsch zum Bekenntnis zu dir selbst, so schön und treffend!

    1. Ja, wunderbar auf den Punkt gebracht, liebe asallime, dass Imperative nur zu Anfang helfen können, am Ende muss etwas fliessenderes stehen, etwas bewegliches, am besten wirklich ein Bekenntnis, ein Sich selbst annehmen.

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