Stöckchenhausen

Ehrlich gesagt, bin ich immer froh, wenn diese „Stöckchen“ an mir vorbeifliegen, das hat so etwas von früher, von Schulzeit und vielleicht auch von diesen dubiosen Kettenbriefen, nun aber ist eines hier gelandet und geworfen hat es Candy Bukowski. Ich mag ihr Blog, ich mag ihre Fragen, also was solls, schreib ich eben ein paar Worte.

 

Ein Text ist gut, wenn er mich aufregt. Das ist auch die Art Text, die ich immer wieder zu schreiben versuche, immer und überall. Aber das ist nur der Wunsch. Die Realität besteht darin, dass ich hauptsächlich im Bett schreibe, und das viel zu selten. Das Gegenteil von viel Schreiben ist wenig Schreiben, und Leben ist das Gegenteil von Tod. Naja und Leben ist natürlich die Möglichkeit von Kreativität, die wiederum Auseinandersetzung ist. Mit was auch immer. Aber aufrichtig! Mein Lieblingstext müsste also der sein, in dem mir das am besten gelungen ist, nur: wer kennt sich schon selbst? Wer kann schon die eigenen Schriften beurteilen? Ich jedenfalls nicht. Also lebe ich unentschieden, unterscheidungslos von Tag zu Tag und das sagt schon fast, dass mir die Perspektiven fehlen, die Kraft und vor allem Disziplin, während ich von einer Sache viel zu viel habe: Erinnerungen. „Ich erinnere mich ständig ständig“, wie das so schön in Stanisic wunderbarem Roman „Vor dem Fest“ steht, endlich mal ein Buch, das einen dieser Preise verdient hat. Meine Lieblingstexte schreiben also andere Menschen, und mit den Fotos ist es genau so, meine Lieblingsfotos schießen auch andere, z.B. immer wieder der Sehraeuber.

Und weil mir der Stanisic Roman noch so im Kopf steckt, ist tatsächlich Fuchs das erste Wort das mir zum Buchstaben „F“ einfällt, aber es gibt auch einen Satz, in dem kein Wort mit „F“ vorkommt und den stelle ich jetzt nicht nur in den Raum, sondern auch ans Ende meines kleinen aus Stöckchen gebastelten Textes: Wenn man die Vergangenheit nicht ordentlich erzieht, wird sie rachsüchtig ab ihrer Pubertät.“ (István Kemény)

Und wer mag, der baue doch bitte aus den folgenden Fragen ein neues Stockhausen:

1. Was macht Dich müde?

2. Was kannst Du nicht ernst nehmen?

3. Deine Lieblingsmalerin?

4. Was macht Dir Mut?

5. Gaubst Du, dass der Tod eine Frau ist?

6. Wem wärst Du lieber nie begegnet?

7. Welche Rolle spielen die Toten in Deinem Leben?

8. Und die Ungeborenen?

9. Dein erster Kuss

10. Deine letzte Ohrfeige

11. Was ist Heimat für Dich?

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13 Gedanken zu “Stöckchenhausen

  1. Die Überwindung, die es darstellt, mitten in den Schatten zu springen, die so ein Stöckchen auf einen wirft, kenne ich nur zu gut. Was mich wirklich überrascht, ist die Tatsache, dass Du im Bett schreibst. In meiner Vorstellung habe ich Dich immer am Schreibtisch sitzend mit Deinen Texten ringen gesehen..;-) – Schöne Antworten und schöne Fragen. Sowohl die einen als auch die anderen nehme ich gerne mit. Ob ich die Antworten auf letztere in mein Blog pflanze, kann ich aber nicht versprechen.

    1. Das gefällt mir natürlich, dass ich dich überraschen konnte. Und gleichzeitig muss ich zugeben, dass ich mich von Deiner Antwort ein Stück weit durchschaut fühle, denn das „Ringen“, da hast Du vollkommen Recht, findet immer am Schreibtisch statt, während das Schreiben im Bett geschieht, (vermutlich weil ich da nicht ringen kann und muss und will…) Ich würde mich ja freuen zu sehen, wie die eine oder andere Fragen Antworten treibt…

  2. Auf den Treppen schreibe ich, Stufe um Stufe, meist auf dem Weg an den Schreibtisch oder ins Bett. Ich stelle mir Dich als eine sehr ernste Herzensdame vor…und weil ich heute gepflegt Zeit habe, nehme ich mir Deine schönen bis ungewöhnlichen Fragen mit rüber. Vielleicht braucht es bis zu zehnmal die engen Holztreppen rauf und runter….

  3. Liebe Muetzenfalterin
    Herzlichen Dank für deine Worte und den Link, ich fühle mich sehr geehrt!
    Obwohl ich Schriftsetzer gelernt habe und immer mit Buchstaben, Worten und Texten in Berührung kam und konfrontiert wurde, liegt mir das Schreiben nicht, das ist etwas mit dem ich mich schwer tue und das ist einer der Gründe warum ich fotografiere.
    Ich bestaune und bewundere immer wieder die Fähigkeiten von Personen, wie du liebe Muetzenfalterin, die ihre Gefühle, Gedanken und Fantasien in Worte kleiden können, ich finde das mehr als grossartig!

    1. Lieber Sehraeuber, Deine Fotos sind ja nicht nur sehr gut beobachtet, häufig findest Du auch kongeniale Überschriften dazu, so dass sie ganze Geschichten erzählen. Wer sagt denn, dass man Geschichten nur mit Worten erzählen kann? Ich freue mich jedenfalls nahezu täglich an Deinen Bildern!

  4. Was für ein unglaublich tiefkomprimiertberührendschönes Stöckchen. Vielen, lieben Dank dafür. Ich bin sehr beeindruckt. Und frage mich, wie ich ohne das Wissen um den Satz von István Kemény bisher klarkommen konnte. Herzlichste Grüße!

    1. Danke sehr. Freut mich, wenn Dir mein Stöckchen gefällt. Was István Keménys Merksatz angeht, frage ich mich immer noch, wie zum Teufel man sie denn erziehen kann und soll diese verdammte Erinnerung. Wenn Du da einen Hinweis hast, wäre ich sehr dankbar 😉

  5. Ich habe die Fragen gelesen und gedacht, dass sind mal nicht die üblichen Fragen und die Fragen mitgenommen, um sie in meinem Kopf und Herzen zu beantworten. Dann habe ich bei der Wildgans ihre Antworten zu den Fragen gelesen, und das war der Anstoß, die Fragen nicht nur in Kopf und Herz zu beantworten, sondern auch im Blog. Vielen Dank für die Fragen und Gedankenanstöße!

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