Heimat als Erinnerung (2)

In seinem Gedicht „Er dachte nicht an Ästhetik“, schreibt Adam Zagajewski von den Beweggründen seines Vaters das Gedicht „Nach Lemberg fahren“ abzuschreiben:

„(…) sondern nur an die Stadt, die er liebte und verlor, an die Stadt,

in der – wie Geiseln – seine Jugend, seine Erleuchtungen,

seine Begegnungen mit der Welt festgehalten wurden.“

Und damit ist sehr treffend benannt, was Heimat eben auch ist; Verbindung mit einem Teil der Biografie, das, was man allgemein mit „Verwurzelung“ bezeichnet. Heimat als Teil der Erinnerung. 

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7 Gedanken zu “Heimat als Erinnerung (2)

  1. dieses gedicht von zagajewki hat mich von anfang an sehr berührt, so wie die gesamte unaufgeregte erscheinung des autors selbst, den ich im dezember auf einer lesung erleben durfte.
    man nimmt ihm seine worte ohne wenn und aber ab, es ist etwas in seinen gedichten, das ich ehrlichkeit nennen würde, eine grundehrlichkeit in der widergabe des empfindens, die freilich auch sprachlos macht, da so wenig „üblich“ in zeitgenössischer lyrik.

    heimat als teil der erinnerung – ja.
    und hürlimann sagte einmal, erinnerung – das sind bilder, nicht fakten.

    es fällt mir leichter zu sagen, was „heimat“ war, als das was „heimat“ ist …

    1. ich schätze zagajewski sehr, sowohl seine essays als auch seine gedichte. vermutlich aus dem selben grund wie du, grundehrlichkeit hast du es genannt, aber auch weil er einer ist, bei dem man spürt, dass er die dichtung, die sprache über das eigene ego stellt. es muss sehr schön und beeindruckend gewesen sein, ihn auf einer lesung zu erleben. und danke übrigens schon hier und jetzt für deine beiträge, ich weiß das zu schätzen.

  2. ich denke seit tagen – dank dir – intensiver wieder über heimat nach. dieses wort „geisel“ kommt einem meiner gedankensplitter sehr nahe:
    auch wenn es nicht nur schöne erinnerungen an die heimat sind (oder an kindheit und jugend als eine art synonym???), gehören sie auf gedeih und verderb (zu) mir. keine lösegeld der welt kann sie mir nehmen. auch jene, auf die ich gerne verzichten würde!

  3. für mich ist heimat eher dort, wo ich mit anderen zusammenlebe, und trotz der intensität der eindrücke in der kindheit, einer gewissen verbundenheit mit den kindheitslandschaften, des schauens, was daraus wird, welche überformungen zu beobachten sind, würde ich sie nicht als heimat betrachten. Zum andern – ich liebe bestimmte wege, ausblicke usw. da, wo ich jetzt lebe oder ich auch vor 25 jahren gelebt …

    1. was du da beschreibst, den ort des zusammenlebens mit anderen, würde ich eher als zuhause bezeichnen, aber das ist ja gar nicht die frage. die frage ist vielmehr, warum definieren wir das unterschiedlich? warum ist heimat für die einen offenbar sehr mit erinnerung verbunden und für andere (wobei du hier stellvertretend für diese sprichst) in der gegenwart verortet, in der „heimeligkeit“ des hier und jetzt?

  4. … interessante gedanken, liebe mützenfalterin. ein thema, das mich auch immer wieder bewegt.
    für mich ist heimat nicht unbedingt (nur) ein ort, sondern eher mit menschen verbunden, (home is where your heart is ;)) ähnlich wie umtriebe es beschreibt, so ist es auch für mich (auch was bestimmte wege, orte, ausblicke angeht). eher gegenwärtig als vergangen auch.
    ja, spannend, wie unterschiedlich der begriff „heimat“ belegt ist, empfunden wird. aber das hängt sicherlich mit dem eigenen hintergrund, mit der eigenen vergangenheit zusammen.
    … und zagajewski mag ich auch sehr!

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