Der siebte Sprung

Heimat war eine Zeitlang ein Wort, das sich seltsam anfühlte. Wer von Heimat sprach, war im besten Fall altmodisch, konservativ, im Schlimmsten nationalistisch. Das hat sich geändert. Und auch wenn ich das jetzt nicht belegen kann, halte ich meine Vermutung für gerechtfertigt, dass die Literatur einiges dazu beigetragen hat. Ulrike Draesner z.B. hat wunderbar in ihren Aufsätzen in „Zauber im Zoo“ über Herkunft und Sprache nachgedacht, und dann ist da noch dieses großartige Projekt von Tzveta Sofronieva, „Verbotene Worte“, über das ich schon lange etwas schreiben wollte.

Ganz aktuell ist Ulrike Draesner in ihrem neuen Roman, der am 10. März erscheinen wird, der Frage nachgegangen, wie sich der Verlust von Heimat weitervererbt, wie sich die Erfahrungen von Flucht und Vertreibung, die unsere Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern gemacht haben, noch heute auf das Verständnis auswirkt, das wir von Heimat haben.  Das Besondere an dem Roman ist aber, dass er sich öffnet, indem Ulrike Draesner parallel zum Roman eine Seite im Internet betreibt, auf der sie Quellen offenlegt und über die Hintergründe zur Entstehung des Romans berichtet.

Seit ich dieses Projekt verfolge, frage ich mich, was Heimat für mich bedeutet, was es für die Menschen um mich herum bedeutet, ob meine Kinder diesen Begriff schon wieder ganz anders deuten und definieren werden und wie unterschiedlich Menschen, die ihre Heimat verloren haben, mit diesem Verlust umgehen. Ein Thema mindestens so komplex wie die Geschichte unserer Großmütter, die Ulli kürzlich so wunderbar aufgearbeitet hat. Vielleicht kann zum Thema Heimat etwas ähnliches entstehen.

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7 Gedanken zu “Der siebte Sprung

  1. ja, das ist auch ein Thema, das dran ist … letztes Jahr erschien auch der viel diskutierte Film von Edgar Reitz, mit dem Titel Heimat, leider habe ich ihn noch nicht gesehen … es war ungefähr zu der Zeit, als wir bei pixartix Bilder zum Thema einstellten … ein wahrlich großes Thema, mit dem auch ich immer noch gar nicht fertig bin- meine Großeltern stammten aus Polen, verloren die Heimat oder wanderten aus, in Nazideutschland mussten sie fliehen, nur wohin? Zielloses Herumirren, denn Polen war keine Option mehr, ein Wunder, dass sie es überlebten, wenn auch mein Großvater und einer der Töchter nicht, aber das ist eine andere Geschichte …
    ich selbst spreche von meinem Fluchtgen … ich bin sehr gespannt auf das Buch, es macht mich neugierig, verbandelt sich auch mit dem Thema Großmütter, das für mich, wie ich jetzt erkennen kann, auch noch nicht abgeschlossen ist …
    danke dir für den Tipp

    und ja, warum nicht auch Texte zum Thema sammeln, anstelle von Bildern oder später beides zusammen bringen?!

    herzliche Grüße
    Ulli

    1. Ganz herzlichen Dank, Ulli, für die Geschichte. Ich werde demnächst etwas schreiben, mit der Einladung an alle, mir Texte oder auch Bilder (denn darauf möchte ich nicht verzichten) zu diesem Thema zu schicken.

      1. großartig! ich freue mich auf dein Projekt! … und als ob ich das geahnt habe, schrieb ich heute schon ein paar Zeilen …

        herzlichst Ulli

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