Landgang

Landgang - Isla volante
Landgang – Isla volante

Wir laufen jetzt den Hafen an, sagt er und sie denkt, dass sie ihn dort verlassen wird. Dass sie sich in der Menschenmenge verlieren werden. Er wird nicht die Zeit haben, sie lange zu suchen, bevor das Schiff wieder ablegt. Falls er sie dennoch finden sollte, rechtzeitig, wird sie sich dem Schicksal ergeben und ihm folgen.

Auf keinen Fall wird sie versuchen, ihm zu erklären, dass sie sich getäuscht hat und worin dieser Irrtum bestand, weil man einem anderen nur erklären kann, was er längst weiß.

Und er hat nicht das Geringste Wissen von ihr, davon, dass sie die Seemannssprache liebt, den Geruch nach Wasser, Tang und Fisch, auch diesen ständig schwankenden Grund, der einen nie vergessen ließ, dass alles jeden Moment versinken kann, und dass sie all diese hübschen Kleinigkeiten mit ihm verwechselt hat, bis sie gemerkt hat, dass sie nie wissen wollte, was er in ihr sieht.

Und nun ist sie hier und vielleicht wird sie ihn vermissen, aber zurückkehren wird sie nicht.

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8 Gedanken zu “Landgang

  1. eine ganz wunderbare Kurzgeschichte, liebe Mützenfalterin, zu einem wunderbaren Bild … ich wünsche mir ja ein Buch mit allen diesen Meertexten und -bildern.
    Diese Liebe zu Seemannsgang, Häfen, Fels- und Sandstränden und der darin wohnenden Melancholie, die teilen wir. Ich denke, gerade bei diesem Text, an den ein und anderen von mir …
    Ich freue mich immer, wenn es wieder Mittwoch ist!

    vielen Dank, auch an die InsulanerInnen
    herzliche Grüße
    Ulli

    1. so ein Buch würde ich mir selbstverständlich auch wünschen, liebe Ulli. Also wenn Du einen Verleger kennst, der uns verlegen möchte, ich glaube nicht, dass die Herren der Insel etwas dagegen hätten 😉
      Und das Bild gefällt mir diesmal auch ganz besonders gut. Die Bilder sind immer wunderbar, aber wie sie diesmal eine ganze Geschichte erzählen ist eine besondere Freude für mich.
      Und vielen Dank für Deine Vorfreude auf den Mittwoch. Hoffentlich können wir die noch lange aufrecht erhalten.

      1. ach ja, seufz … die Geschichte mit dem Verlagswesen, aber es gibt ja heutzutage Alternativen, ich sage nur e-books …

        und ich hoffe auch sehr, dass diese Mittwoche der Meergeschichten und -bilder uns noch lange erfreuen werden!

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