17. Januar

[…] Gespräche, in denen man selbst etwas produziert, was man zuvor noch nicht wusste und nicht nur Gerede, bei dem man routiniert auf „vorrätiges“ zurückgreift.“

 

 

Dieser Satz steht heute in der SZ in Jörg Magenaus Besprechung zu dem Berliner Journal Frischs, und er bezeichnet das, wonach ich mich mein Leben lang sehne, und was sich viel zu selten verwirklicht.

 

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20 Gedanken zu “17. Januar

  1. Diese Sehnsucht kan ich so! gut! verstehen!
    Aber ich kann mich auch Sonja anschließen: Hauptsache, überhaupt! Wenn sie stattfinden, diese Gespräche, hin und wieder, empfinde ich sie als unglaubliches Geschenk.

  2. Wer nicht auf „Vorrätiges“ zurückgreift, worüber spricht der? Creatio ex nihilo?

    Ein Gespräch, bei dem Neues, noch nicht Gedachtes (sofern es dies denn gibt) ausgesprochen wird und Denken sich erweitert, hängt sehr von seinen Teilnehmern und von deren Offenheit ab. Und auch davon, inwiefern eine oder einer aus „Vorrätigem“ Funken zu schlagen vermag und eine Sache in einen neuen Dreh bringt. Die eindringlichsten, intensivsten und das Denken weitertreibenden Gespräche hatte ich, wo es um Vorrätiges ging, das plötzlich in einem ganz anderen Licht dastand und gar nicht mehr so vorrätig ausschaute.

    1. Wenn es in der Kunst möglich ist, deiner Aussage nach sogar notwendig ist, etwas neu darzustellen, neue Möglichkeiten zur Anwendung zu bringen, verstehe ich, ehrlich gesagt, nicht, warum sich diese Frage dann so existentiell im Rahmen des Denkens stellt. Natürlich greift man auf Vorrätiges zurück, um neue Kunst entstehen zu lassen und ebenso, um neue Gedanken entstehen zu lassen. Der große Unterschied ist doch, ob es beim Austausch des Vorrätigen bleibt, oder ob es gelingt, aus dem Vorrätigen etwas Neues aufleuchten zu lassen, so wie Du es ja auch formulierst. Das hängt sicher sehr entscheidend von der Offenheit der Teilnehmer ab, aber auch von der Radikalität, mit der man versucht das Vorrätige zu betrachten und zu hinterfragen, auf seinen wahren Kern zurückzuführen.

  3. Ich bin wahrscheinlich schon zu alt geworden um noch zu glauben, Dass „es sich verwirklicht“. Meine – manchmal auch selbstverschuldet bittere – Erfahrung sagt mir, dass ich den Versuch zur Verwirklichung machen muss. Und wenn ich „Glück“ habe ist mein Gegenüber ebenfalls bereit. Vielleicht ist das Gelingen ein Akt geistesgegenwärtiger Gnade…
    Schöne Grüsse aus dem Zweistromland

    1. Es ist sicher nicht verkehrt, die Dinge (auch das Herbeiführen solcher Gespräche) selbst in die Hand zu nehmen, ich hatte allerdings auch schon das große Glück, dass sie sich einfach so ergeben haben…

  4. „Die Hoffnung stirbt zuletzt …“ Weiß jetzt nicht, wer das gesagt hat. Ich glaube, wenn man seine Hoffnungen aufgibt, ist man wirklich bedauernswert.

    1. Einerseits ja, andererseits nicht. Ich glaube auch bei den Hoffnungen gilt es zu unterscheiden, manchmal kann es entlasten, Hoffnungen aufzugeben, die sich nicht erfüllen lassen, weil sie Raum und Energie freimachen für die verbliebenen (oder neuen) Hoffnungen, deren Realisation vielleicht fruchtbarer ist.

  5. Sicherlich: es kommt auf den geglückten Augenblick an. Auf das, was man auch als Kairos bezeichnen kann.
    _____________

    Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie stirbt! [So schreibe ich mal, verschmitzt lachend.]

  6. Das ist so wundervoll, wie sehr ich genau solche Gespräche liebe. Im Moment kann ich sagen, dass es zwar selten vorkommt, aber es kommt vor. Zumal ich wirklich ganz wunderbare Kommilitonen & Kommilitoninnen habe, die sich mehr als eine Nase lang Gedanken über die Dinge machen, die wir austauschen. Und dann habe ich das auch, wenn ich mit jemandem schriftlich kommuniziere. Mir scheint, dann kann die Magie auch zünden, und plötzlich bin ich um eine selbst gemachte Erkenntnis reicher. Seltener ist es in Real, weil man so ganz im Tageslicht und nüchtern vom Straßenlärm gestört, so wenig Vorhänge fallen lässt. Und doch gibt’s auch hier diese schönen Augenblicke.

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