Silvester in Berlin (voriges Jahrhundert)

Es ist Silvester und kalt.

 

Wir sind zu fremd, um uns fremd zu fühlen und viel zu beschäftigt damit, dazu zu gehören, sprich einsam. (zu dünn angezogen auch. Und zu jung. Falls man zu jung sein kann. Zu jung für das Ende des Jahres. Aber daran denken wir nicht. Wir denken, falls wir überhaupt denken, dass wir verdammt noch Mal einen würdigen Platz finden müssen, um das neue Jahr zu begrüßen. Das Jahr, in das wir all unsere Hoffnung gelegt haben. Scheinbar von Anbeginn der Zeit. Es ist immer dieses unmittelbar bevorstehende Jahr und die nahezu unlösbare Aufgabe, den richtigen Ort zu finden, um es in Empfang zu nehmen, um sich in Empfang nehmen zu lassen von ihm.)

 

Wir hatten eine Adresse, die ins Nirgendwo führte und das stete Vergehen der Zeit. Schließlich landeten wir in einer Bar, in der uns ein Transvestit aus der Hand las.

 

Glücklicherweise waren wir zu diesem Zeitpunkt schon zu betrunken, um zu verstehen, was er sagte.

 

Und das Jahr begann, mit all dem, was längst vergangen war.

 

8 Gedanken zu “Silvester in Berlin (voriges Jahrhundert)

  1. Immer dieser Wunsch, es bedeutend sein zu lassen … Menschlich irgendwie. Und wenn es nicht gelingt, haben wir zum Glück noch unseren Humor. 😉
    Ein gutes neues Jahr wünsche ich Dir, liebe Mützenfalterin!
    Herzlich, Iris

    1. Dieser Wunsch nach Bedeutung lässt ja ein klein wenig nach mit dem Alter. Vielleicht weil man erkennt, was wirklich von Bedeutung ist. Liebe Iris, herzlichen Dank für Deine guten Wünsche. Ich wünsche dir ein gesundes 2014 voller liebevoller schöner Momente.

  2. ach, diesen wunsch nach dem richtigen ort! ja, den kenn ich zu gut. das ding mit der bedeutsamkeit auch. immer meine allzu hohen, unerfüllbar hohen ansprüchen an ort und neuem jahr! tja. und nach paar tagen ist es alltag, das neue, und gleicht dem alten in (zu) vielem.
    möge dein neues dich trotzdem beglücken, überraschen und beschenken mit gesundheit. (und einen buchvertrag? das wäre toll, oder?)
    herzlichst, soso

    1. Mittlerweile habe ich ja für mich verstanden, dass es absolut nicht auf den Ort ankommt, wenn die richtigen Menschen versammelt sind. Und die waren auch dieses Jahr bei mir in der Nacht des Übergangs. Ich wünsche auch Dir alles erdenklich Gute für 2014.

  3. ein gutes Sein mit allem was dir begegnet, ein bisschen Glück und vielen kleinen und großen Freuden, das und noch viel mehr wünsche ich dir von Herzen für das neue Jahr
    Ulli

    1. Herzlichen Dank, Ulli, für Deine schönen Wünsche für mich. Mit ein bisschen Glück, lernen wir immer besser zu erkennen, wie viel von dem, was wir uns zu wünschen meinen, längst da ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s