Silvester in Berlin (voriges Jahrhundert)

Es ist Silvester und kalt.

 

Wir sind zu fremd, um uns fremd zu fühlen und viel zu beschäftigt damit, dazu zu gehören, sprich einsam. (zu dünn angezogen auch. Und zu jung. Falls man zu jung sein kann. Zu jung für das Ende des Jahres. Aber daran denken wir nicht. Wir denken, falls wir überhaupt denken, dass wir verdammt noch Mal einen würdigen Platz finden müssen, um das neue Jahr zu begrüßen. Das Jahr, in das wir all unsere Hoffnung gelegt haben. Scheinbar von Anbeginn der Zeit. Es ist immer dieses unmittelbar bevorstehende Jahr und die nahezu unlösbare Aufgabe, den richtigen Ort zu finden, um es in Empfang zu nehmen, um sich in Empfang nehmen zu lassen von ihm.)

 

Wir hatten eine Adresse, die ins Nirgendwo führte und das stete Vergehen der Zeit. Schließlich landeten wir in einer Bar, in der uns ein Transvestit aus der Hand las.

 

Glücklicherweise waren wir zu diesem Zeitpunkt schon zu betrunken, um zu verstehen, was er sagte.

 

Und das Jahr begann, mit all dem, was längst vergangen war.