Orlan

Ruhe – Störung heißt die Ausstellung im Martha in Herford, die ich mir vor ein paar Tagen angesehen habe, und immer noch bin ich verunsichert, verwirrt, von einem Video der Künstlerin Orlan. Ich hatte bislang noch nie von ihr gehört. In der Ausstellung gab es ein Video von ihr, und was sie sagte, hat mich durchaus fasziniert. Sie macht darauf aufmerksam, welche Rolle der Körper für uns heute spielt, dass er quasi ständig im Widerspruch zu dem Selbstbild steht, zu dem Ideal, das wir von uns haben, und dem unser Körper, unsere Haut nie entspricht. Die Konsequenzen, die sie daraus gezogen hat, sind derart radikal, dass ich es immer noch nicht ganz fassen kann. Denn Orlan hat sich über neun Schönheitsoperationen unterzogen, bei denen sie sich selbstverständlich filmen ließ, bei denen sie auf Fragen antwortete, selbst erzählte, las. Und mit Hilfe derer sie sich natürlich veränderte. Nicht unbedingt um gängigen Schönheitsidealen näher zu kommen, vielmehr hatte Orlan die Vorlage für die chirurgischen Veränderungen selbst entworfen und sich dabei an mythischen und historischen Schönheitsidealen orientiert.

 

Ich konnte das Video dann nicht mehr ansehen, weil ich mich den Schnitten und dem Blut nicht aussetzen wollte. Andererseits beeindruckt mich die Radikalität mit der sie ihr Denken in Handeln umsetzt.

 

Mittlerweile, so habe ich bei meinen Recherchen herausgefunden, hat Orlan zwei Wulste an der Stirn, auch diese Ergebnis einer der zahlreichen Operationen, und durchaus gewollt. Als Begründerin der Carnal Art macht Orlan mit erschreckender Konsequenz ihren eigenen Körper zum Kunstwerk.

 

Die nächste Frage, die Orlan nach den Veränderungen ihres Körpers beschäftigen wird, ist die nach der Identität. Hat eine noch diesselbe Identität, wenn man ihr Gesicht, ihren Körper kaum noch wiedererkennen kann?

 

 

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