Miroslav Tichý

Miroslav Tichý
Miroslav Tichý

Er hat nicht viel Glück gehabt, aber eine Leidenschaft.

 

Bis 1948 hatte Tichý an der Prager Kunstakademie studiert. Dann kamen die Kommunisten und mit ihnen Überwachung und Schikane. Ende der 50er Jahre verbrachte Tichý ein Jahr in der Psychatrie. Danach zog er sich vollends aus dem Kunstbetrieb zurück (seine Gemälde hielt er bis zum Schluss für seine einzigen nennenswerten Werke) und begann zu fotografieren.

 

Ich hatte eine Norm“, sagt Tichý, Hundert Fotos am Tag. Wenn ich die Norm erfüllt hatte, habe ich aufgehört.“

 

Heimlich verfolgte er Tag für Tag Frauen, die ihm gefielen, um sie unbemerkt zu fotografieren. Mit selbstgebauten Kamera-Monstren.

 

Roman Buxmann „entdeckt“ das Besondere an Tichýs Fotos und sorgt 1989 für die erste Ausstellung seiner Bilder in Köln.

 

Tichýs Fotos bestehen gerade durch das technisch unperfekte, durch die Nachlässigkeit, mit der er sie gehandhabt hat.

 

2011 ist Miroslav Tichý gestorben. Er wurde 84 Jahre alt.

Miroslav Tichýs Kamera Hier gefunden.
Miroslav Tichýs Kamera
Hier gefunden.

 

11 Gedanken zu “Miroslav Tichý

  1. Eine radikale Existenz am Rande, vielleicht außerhalb der Gesellschaft. Radikal auch durch die Verweigerung gängier Moralvorstellungen: den Voyeur in sich als Kunst adeln. Seine Fotos inszenieren das Verlangen und verweigern ein Ankommen. Und sie funktionieren auf einer ästhetischen Ebene als morbid schöne Artefakte. Ganz erstaunlich.

      1. Ja das trifft es. Wobei das Kindliche vielleicht gerade im Maß der unerreichbaren Distanz zur Welt der Frauen durchscheint, so wie Kindern alles Erwachsene unendlich fern, rätselhaft und zugleich fasznierend vorkommt.

  2. die große zahl bilder ähnelt heute dem digitalismus. frei nach dem motto, dass in der fülle, dass im experiment sicher etwas gutes dabei ist. zumal er die ergebnisse ka nicht auf einem display betrachten konnte unf allenfalls wieder löschen.
    eine berührende aufnahme. gut dass er nicht unentdeckt geblieben ist!

    ob eind leidenschaft womöglich das wenig-glück aufhebt? sein wenig-glück aufgehoben hat? ich hoffe es.

    1. ich glaube tichý hat u.a. deswegen wunderbare fotos gemacht, weil er nie darauf aus war, wunderbare fotos zu machen, er hatte diese leidenschaft für frauen, für ein bestimmtes frauenbild und er hatte diesen „zwang“, den er, so könnte ich mir vorstellen, vielleicht brauchte, um seine tage, sein leben irgendwie zu strukturieren.

      1. vielleicht ist das sogar das geheimnis von kunst. je weniger wird das wunderbare, das einzigartige „machen wollen“, desto eher kann es gelingne, weil es aus der innersten struktur, der innersten leidenschaft heraus entsteht?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s