Verlust, Schmerz, Freundschaft

Franz Hofner hat auf Fixpoetry einen Essay über Verluste geschrieben und über die Notwendigkeit von Schmerz. Eine kleine Erweiterung, die nicht unbedingt als Widerspruch zu verstehen ist:

Der Schmerz selbst macht sprachlos.

Wenn die Sprache wieder da ist, ist der Schmerz nur noch die Erinnerung an den Schmerz. Obwohl auch das nicht wahr ist. Weil es so viele Arten Schmerzen gibt und so viele Versuche, damit fertig zu werden. Erklären, dem Schmerz eine Bedeutung verleihen, sie in Relation setzen zu anderen Schmerzen.

Weil nichts schwerer ist, als zu leiden. Sprachlos. Voller Schmerzen aus denen es keinen Ausweg gibt, außer sie zu durchleiden.

Denkbar schlechte Voraussetzungen für eine Freundschaft. 

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9 Gedanken zu “Verlust, Schmerz, Freundschaft

  1. hm, ich frage mich, ob ich diese gedanken unterschreiben kann. ich glaube, dass ich auch im grössten schmerz manchmal worte habe und sprache. manchmal ist die sprache mir dann das einzige, was hilft um den schmerz zu bannen.
    was ich aber exakt so unterschreiben kann: dass manchmal durchleiden der einzige ausgang ist (eine art notausgang). und ja, nichts ist schwerer als zu leiden.
    aber für leid gibt es keine allgemein gültige „richterskala“.

    danke für die gedankenimpulse!

    1. ich hatte mir mal die lendenwirbelsäule gebrochen, die letzte…und ich hatte unerträgliche schmerzen, aber nachgedacht habe ich darüber nicht, wie soll das auch funktionieren, man hat doch genug mit dem schmerz zu tun.

    2. Der Schmerz ist nicht dazu da, beschrieben zu werden, erläutert und erklärt. „Traurig bin ich“, sagte mein Sohn immer, als er noch klein war und viel mehr gibt es über die Trauer vermutlich nicht zu sagen, wenn sie gerade mit voller Wucht eingetroffen ist. Erst später, wenn sie sich eingenistet und einen Teil von uns längst verändert hat, finden sich Worte, Begriffe und Bilder, um das auszudrücken, was geschehen ist.

      1. ich sehe es noch immer nicht so wie du. schreiben zeitgleich im schmerz ist mir wie schreien, wie geschwür aufstechen. schmerz lässt ihn mich mit worten besser aushalten.
        da gibt es wohl einfach verschiedene umgänge.

  2. Ich nenne einige Arten von Schmerz „namenlos“, weil ich keine Mittel habe, sie zu beschreiben. Es gibt Sprachen, in denen Schmerz viel differenzierter beschrieben werden kann als auf Deutsch. In meiner Muttersprache geht das weitaus besser. Trotzdem stoße ich auch auf Persisch auf meine Grenzen. Kennst du das? Du sagst „Das tut mir weh, was du sagst.“ Aber wenn du das mit dem letzten Mal vergleichst, was dir weh getan hat durch etwas, das gesagt wurde, dann ist es ganz anders. Vielleicht viel intensiver, vielleicht viel irreversibler, vielleicht führt es woanders hin, vielleicht löst das andere Fluten in dir aus. Wie soll man das ausdrücken? Es bleibt nur „Es tut mir weh, was du sagst.“

    Schmerz auszudrücken hilft häufig, aber dabei geht viel verloren. Immer macht man Abstriche, immer abstrahiert man. Aber eines ist bei mir immer gleich: Ist die Wucht zu groß, schweige ich (erstmal).

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