Mutterbilder II

Mutter und Kind Version I von Susanne Haun
Mutter und Kind Version I von Susanne Haun

Die Zeichnung spricht für sich. Dennoch einige Anmerkungen.

 

 

Das Bild einer Frau ändert sich, sobald ihr die Rolle der Mutter zuwächst. Sie verändert sich, rein körperlich, und sie wird anders wahrgenommen. Anders bewertet. Die Menschen um sie herum (und vermutlich auch sie selbst) haben auf einmal andere Erwartungen an sie. Auf einmal sieht man in ihr viel eher ein Modell, als ein Individuum.

 

Genau dort beginnt der relativ neue Konflikt für Frauen, die heute Mutter werden. Denn es gibt keine allgemeingültigen Rollenvorbilder mehr, kein eindeutiges richtig und falsch.

 

Prinzipiell kann jede Frau, nicht nur entscheiden, wann sie wie viele Kinder bekommt, sondern auch, wie sie die Mutterrolle für sich versteht. Ob sie die Arbeit, ihren Beruf, eine Zeitlang oder ganz aufgibt, ob sie Voll- oder Teilzeitmutter sein will, die Kinder zu Hause betreut, oder in Einrichtungen bzw. zu Tagesmüttern gibt [Tagesväter gibt es meines Wissens nach noch nicht], welchen Erziehungsstil sie pflegt und wie viel „Förderung“ sie ihrem Kind zukommen lässt, um nur einige Beispiele zu nennen.

 

Was zunächst wie ein immenser Zugewinn an Freiheit aussieht (und das ja auch ist), entwickelt sich bei näherem Hinsehen schnell zu einer Quelle stetiger Verunsicherung.

 

Die Freundin glaubt, dass es weder für die Mutter noch für das Kind gut sein kann, das Kind so lange zu Hause zu betreuen, die Mutter (der neuen Mutter) ist überzeugt, es müsse jeder Mutter das Herz zerreissen, nicht selbst diejenige zu sein, die dem Nachwuchs die ersten Schritte beibringt, das erste Wort. Die finanzielle Situation und der gewohnte Lebensstil und nicht zuletzt die Ausbildung, lassen es nicht zu, längere Zeit aus dem Arbeitsleben auszuscheiden, zumal es fast sicher ist, dann nie wieder wirklich den Anschluss zu finden.

 

Und wenn man versucht, die Aufgaben zwischen Vater und Mutter zu teilen, halbieren sich die Probleme, während sie sich auf der anderen Seite verdoppeln. Und das Schlimmste: es ist eine Entscheidungssache, man kann sich nicht länger hinter Aussagen zurückziehen die als eherne Gesetze allgemein anerkannt sind, für jede These findet man Argumente und Fürsprecher. An die Stelle von Eindeutigkeit ist eine Vielzahl von Möglichkeiten getreten. Gewisseiten sind verloren gegangen. Zuschreibungen und Erwartungen nicht.

 

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14 Gedanken zu “Mutterbilder II

  1. Liebe Elke,
    wie gut du den Konflikt des „Mutter seins“ beschreibst.
    Wobei aus meiner Erfahrung die klassische Mutterrolle — also Mutter gibt sich selber auf für Kind — immer noch die anerkannteste in der Gesellschaft ist und jedes andere Modell ein ständiger Kampf ist.
    Es wäre schön, wenn jedes Modell, für das sich eine Mutter und ein Vater entscheidet akzeptiert wird.
    Es ist ein wenig wie mit den „Rückenschmerzen“. Es sind Themen, wo jeder meint, eine Meinung zu haben und das einzige, was die oder der Betroffene benötigt ist Akzeptanz, um in Ruhe und Harmonie sein Leben zu leben.
    Liebe Grüße und einen schönen zweiten Advent von Susanne
    P.S. Danke fürs zeigen meines Mutterbildes .. ich könnte es jetzt, nachdem mein Kind aus dem Haus ist, nicht mehr so zeichnen. Es ist drei Jahre alt das Bild, aber gerade die letzten drei Jahre haben mit Abitur und Studium eine große Veränderung im Leben meines Sohnes und damit auch in meinem Leben gebracht. Ich schaue mit ein wenig Wehmut zurück auf die Zeit des intensiven Mutterseins zurück…. es ist dann wieder eine Aufgabe, die viele freihe Zeit nachdem die Kinder ausgezogen sind, sinnvoll zu nutzen.

    1. Ja, Susanne, das sehe ich genau so. Ich habe es eben schon in der Antwort auf Faktoids Kommentar geschrieben, was einen ja so gut wie nie begegnet, als verunsicherte Mutter mit dem ersten Kind, sind Menschen, die einem einfach Mut machen, auf sich selbst zu hören, seinen eigenen Instinkten (denn die gibt es durchaus, es ist nur so schwer sie vor lauter Überformungen und Überforderungen noch wahrzunehmen), zu folgen.

      1. Ja, Elke! Es ist nicht nur schwierig, sie wahrzunehmen, sondern es ist auch schwierig, den Mut und das Durchsetzungsvermögen für sie zu haben.
        Einen schönen Wochenbeginn von Susanne

  2. Verzeihung, wenn ich den Zyniker raushängen lassen muss, aber da hat man nun, dank moderner Zeiten, herrlich viel Freiheit, für sich selbst zu entscheiden, wo es lang gehen soll und scheitert scheinbar an dem eigenen Unvermögen das vor sich selbst zu vertreten, dafür einzustehen.
    Weil man scheinbar Angst hat, von außen schlecht beurteilt zu werden…

    1. Ich würde Dir unbedingt zustimmen, bzw. ich hätte dir unbedingt zugestimmt, bevor ich Mutter geworden bin, und das klingt vielleicht metaphysisch oder auch nur wie eine billige Ausrede, Tatsache ist aber, dass ich plötzlich über viele Dinge anders denke (denken muss?), weil es nicht um mich geht (jedenfalls nicht allein und nicht in erster Linie) sondern um meine Kinder, die plötzlich viel wichtiger sind als ich, was auch wieder egoistisch ist, aber Entscheidungen nicht mehr so einfach aus größeren Kontexten heraus gehalten möglich macht. Verstehst Du, was ich meine? Ein kleines Beispiel vielleicht, ich hatte (und habe noch) immer Schwierigkeiten Autoritäten anzuerkennen, die nur qua Titulierung Autoritäten sind (Ärzte, Lehrer z.B.), (auf der anderen Seite habe ich oft zu viel Respekt vor Menschen, die mir rhetorisch überlegen sind), da gerät man leicht mal in einen Konflikt, und für mich allein ist das okay, wenn ich mich mit einem Prof angelegt habe, und dann eben bei dem keinen Schein bekommen habe, aber wenn ich jetzt diese Haltung gegenüber den Lehrern meiner Söhne an den Tag lege, müssen sie das ausbaden, da muss ich also Zugeständnisse machen, einiges schlucken, diplomatische Wege suchen. Und dieser Eiertanz fängt schon viel früher an, man hat vielleicht ein Gefühl, was für einen selbst und das Kind das Beste wäre, aber man ist auch unsicher, weil die Situation so neu und die Verantwortung so groß ist, und dann konnte zumindest ich es nicht vermeiden, dass all die Zuschreibungen und das, was andere sagen und danken, mich verunsichert haben. Es ist ja ganz selten so, dass du als junge Müttter mit ganz kleinen Kindern, Menschen triffst, die Dir sagen: Hör einfach auf dich selbst, du weißt am besten, was ihr braucht, das Kind und du…. Und selbst dann ist da noch das Dilema, ob ich viel Zeit mit dem Kind verbingen will, ihm dann aber Armut zumuten muss, oder ob ich (vielleicht auch widerwillig) arbeiten gehe, um ihm einen gewissen Lebensstandard zu ermöglichen. Freiheit, das übersieht man häufig, ist auch ein Zwang, immer wieder selbstverantwortlich, Entscheidungen zu treffen.

  3. ich möchte etwas ganz unmodernes ergänzen: die entscheidung zur familienfrau/zum familienmann kann zwar eine art selbstaufgabe sein – oder sich sogar so anfühlen, von aussen so scheinen – aber sie kann auch (und da spreche ich nicht nur für mich) eine art zu-sich-selbst-findung sein.
    mehr als eine mutter und auch ein vater, die icb kenne, hat in ihrer mutter-/vaterzeit erstmals zugänge zu eigenen quellen gefunden.
    ich will nur sagen: es gibt die innen- und die aussensicht, aber letzlich sollten wir westlichen menschen des 21. jahrhunderts aufhören, darüber nachzudenken, was die andern denken.
    ob klassisch oder modern: tun was man selbst für richtig hält. heute ist für mich eine bereits eine heldin, die sich traut, sich für die familie zu entscheiden. „nicht mehr“ zu arbeiten.
    der staat (die staaten) müssten familienfrau/-mann endlich als beruf anerkennen und irgendwie fördern, attraktiver machen. auch um des selbstverständnissen/-wertgefühls der eltern willen.
    ein spannender, anregender text, liebe m.

    1. Guter Aspekt, den du da ansprichtst, und den ich in diesem Artikel ganz vernachlässigt hatte, liebe Denise. Es ist doch sowieso ein riesiges Paradox, wie wir hier mit Kindern, bzw. mit der Föderung von Kindern umgehen, auf der einen Seite Pisa und ähnliche Studien und die Aufregung über die Ergebnisse, auf der anderen Seite werden Erzieherinnen immer schlechter bezahlt, arbeiten unter immer schlechteren Bedingungen. Es werden Unmengen Geld dafür ausgegeben Erkenntnisse zutage zu fördern, die dann niemand willens ist, umzusetzen.
      Deinem Gedanken Mutter/Vater als Beruf, ist sicher einiges abzugewinnen, aber ich fürchte, dass so etwas durchaus zu Lasten der Kinder gehen kann, wenn Eltern sich zu lange und zu stark nur über ihre Kinder definieren, ich kenne durchaus auch die Nachteile als einziges Kind einer Hausfrau und Mutter.

  4. mit diesem Text, liebe Mützenfalterin, katapultierst du mich zurück in meine jungen Jahre, als ich Mutter wurde und sich einige Freunde und Freundinnen abwandten, andere wussten immer etwas besser … mein Anspruch war, dass ich nie nur Mutter sein wollte, sondern auch immer die Ulli, die Frau dahinter, es war schwieriger, als gedacht, besonders, als ich dann mit einem dreieinhalbjährigem Sohn und einer neunmonatigen Tochter allein da stand … heute bin ich dankbar für das soziale Netz, das mich hielt, das mich unterstützte, dafür musste ich allerdings erst einmal nach Berlin umziehen, dort gab es mehr Frauen, wie mich, die ähnlich dachten, in ähnlichen Situationen waren …
    ich stieß und stoße mich immer wieder an dem offiziellen Mutterbild, es will sich einfach nicht wandeln, obwohl es schon so lange nicht mehr stimmt, wer versucht was?

    mir gefällt das Bild, liebe Susanne, sehr … diese Überschreibung des Gesichtes von Mutter und Kind, ich lese sie als Normen, die versucht werden uns überzustülpen …

    danke an euch beide
    herzlichst Ulli

    1. Aber was ist denn dieses „offizielle Mutterbild“. Ich sehe das nicht mehr. Ich sehe nur, dass Frauen alles zusammen sein sollen, erfolgreich im Beruf, liebevoll als Mutter, begehrenswert als Partnerin, gesund, schön, glücklich. Ich sehe nur diesen Spagat und überall wo sich eine für eine Konzentration entscheidet, den Vorwurf das andere zu vernachlässigen.

      1. meine Mutterschaft ist schon länger her, sie begann 1979 und damals war frau noch eine schlechte Frau, wenn sie sich auch für einen Beruf, neben dem Muttersein, entschied … liebevolle Mutter trifft es aber dennoch, da spielt wohl der Zeitrahmen nicht so eine große Rolle? was aber, wenn frau nicht immer liebevoll sein kann? was, wenn Mutterschaft als etwas angesehen wird, dass frau zwar zu leisten hat, aber ansonsten keinerlei Anerkennung findet. Geraten die Kinder gut (was für eine fürchterliche Formulierung, aber ich bleibe ganz absichtlich in diesem Kontext), dann war/ist frau eben die gute Mutter, haben aber die Kinder in irgendeiner Weise eine Auffälligkeit, dann wurde und wird wohl auch immer noch gerne zuerst auf die Mutter gezeigt … als Alleinerziehende macht frau noch ganz andere Spagate und wie ich von meiner jungen Freundin (28 Jahre jung), Alleinerziehende von zwei Kindern, mitbekomme, hat sich da nichts geändert …

  5. leider bin ich keine mutter.
    und meine freundinnen sind vielerlei mütter… mit sehr unterschiedlichen lebensweisen und -entscheidungen.
    das schlimme ist, jede glaubt sich besser als die, die eine andere entscheidung getroffen hat.
    als ich einmal log und fälschlcherweise behauptete, mutter zu sein (ich war es nicht, nur mein mann war vater)… hörte man mir plötzlich zu und stimmte mir zu. mich stimmte das nachdenklich.

    1. Ja, die fehlende Solidarität unter Müttern ist dumm und bedauerlich. Statt einander zu unterstützen, fällt man sich in den Rücken.
      Und anderen hört man erst gar nicht zu? Stimmt, es gibt da diese Bewertung, dass erst eine Mutter eine vollwertige Frau ist, so in der Art. Dabei kenne ich im eigenen Bekanntenkreis kinderlose Frauen, die großartige Mütter sind.

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