Mutterbilder

Mutter und Kind Version II - Zeichnung von Susanne Haun
Mutter und Kind Version II – Zeichnung von Susanne Haun

Mutterbilder. Welches Bild sich die Gesellschaft von Müttern macht, wie wir selbst unsere Mütter sehen und später dann uns selbst als Mütter. Oder eben nicht. Wie unsere Kinder uns sehen und was das alles auch mit den Vätern zu tun hat. Das ist ein schier unerschöpfliches Thema.

Wo soll eine da anfangen?

Unvergesslich das Bild, dass Marguerite Duras sich immer wieder von ihrer Mutter erschreibt, in immer neuen Anläufen, Ansätzen, Versuche, in die sie alles hineinschreibt, was sie vermisst hat. Wie sie ihr Leiden nicht verschweigt und trotzdem Erklärungen sucht für das Verhalten der Mutter, sie verteidigt und anklagt. Am Ergreifendsten ist das für mich in ihrem Buch „Der Liebhaber“ gelungen. Dem Buch, mit dem sie endlich den Prix Goncourt gewonnen hat, von dem sie glaubte, er hätte ihr für „Heiße Küste“ zugestanden, das Buch, das sie selbst ablehnte, das sie nie wirklich gemocht hat.

Vor einiger Zeit ging es hier in diesem Blog um Mutterbilder, angestoßen durch Marina Abramovic, einer Frau, die sich bewusst gegen Kinder entschieden hat. Keine Kompromisse.

Im Rahmen der daraus entstandenen, sehr fruchtbaren Diskussion, schickte mir Susanne Haun freundlicherweise einige ihrer zu diesem Thema entstandenen Zeichnungen. In loser Reihe möchte ich nun diese Zeichnungen, angereichert durch dadurch angestoßene Ideen, veröffentlichen.

Einer der Sätze, die möglicherweise die gesamte Diskussion in sich vereinigen und auf den Punkt bringen, stammt von Louise Bourgeois. Dieses Zitat soll deshalb mit Susannes Zeichnung den Auftakt der Serie machen.

Du brauchst eine Mutter. Das weiß ich, aber ich weigere mich, deine Mutter zu sein, weil ich selbst eine Mutter brauche.“

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12 Gedanken zu “Mutterbilder

  1. der letzte satz bringt das dilemma so exakt auf den punkt, dass ich gänsehaut bekomme.

    ein mutiges thema, dass du da anstösst … ein für viele – mich eingeschlossen – höchst emotionales und schmerzhaftes.

    bei keiner andern person werden absenzen, mängel und fehler so nachhaltig erlebt, wie bei einer mutter. mütter sind es eigentlich, die die welt am meisten beeinflussen, denk ich.

    1. Ich glaube das muss nicht so sein. Viel besser, gesünder usw. wäre, wenn Väter und Mütter die Welt gleichermaßen (wenn auch naturgemäß auf höchst unterschiedliche Weise) beeinflussen würden…

  2. Liebe Elke,
    ich erinnere mich gut an dieses Zitat.
    Es gibt für mich nur einen einzigen Menschen auf der Welt, für den ich Mutter bin: das ist mein Sohn.
    Das ist nicht selbstverständlich, viele Männer suchen keine Frau sondern eine Mutter als Partnerin.
    So ist es gut, dass in der Regel heute die Erwartungen zweier Partner besprochen werden ….
    Danke für das Zeigen meiner Zeichnung und einen schönen Tag von Susanne

    1. Ich kenne beides, die Lust, zu bemuttern, aber auch die Bedürftigkeit, selbst bemuttert zu werden, vor allem aber das Bedingungslose der Elternliebe. Ich bin manchmal immer wieder überrascht, wie schön und befreiend so eine bedingungslose Liebe ist…

      1. Ja, da hast du recht Elke, diese Liebe funktioniert nach beiden Seiten. In dem Moment, wo du dein Kind auf den Bauch gelegt bekommst, entsteht ein Gefüge aus Liebe und Verantwortung.

  3. Es scheint, dass sich Männer in ähnlicher Weise an ihren Vätern abarbeiten. Schade eigentlich, würde sich ihr Blick mehr auf die Mütter richen. könnte das ihrem Bild von Seelenräumen eine mehrdimensionale Tiefe verleihen.
    Schöne Grüsse vom Schwarzen Berg

    1. Das Verhältnis von Jungen zu Vätern und von Mädchen zu Müttern ist vermutlich das viel Schwierigere, weil man sich damit immer auch viel direkter mit sich selbst auseinandersetzt, also auch mit dieser Geschlechtersache, da sind noch einmal ganz andere Konflikte drin, aber ich glaube wie Du, dass beide Auseinandersetzungen gleichwertig und gleich wichtig sind.
      Was die Fragen zum Fotografieren angeht, dürfte ich Dir da mal eine PN schreiben?

  4. Allein das Wort „Mutter“ bereitet mir fast physische Schmerzen.
    Es steht in einer Reihe für mich mit „Tod“, erweckt aber ganz andere Asoziationen.
    Vergeblichkeit. Das ist es am ehesten.

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