Ich bin Marita

 

Bei mir ist es anders

 

Ich trinke nicht um zu vergessen

 

Ich trinke um mich zu erinnern

 

Was Zeit bedeutet

 

Und damit ich mich fürchte

 

Vor dem Verlust der Angst

 

Nie ist das Erinnern so klar

 

Wie in diesen durstigen Momenten

 

Zwischen den Gläsern

 

Ich ziehe mich aus

 

Vor jedem und allen

 

Ich käme mir anderenfalls so unbekleidet vor

 

Wie sich der Schaum spiegelt in meinem Blick

 

Ich lasse mir Geschichten erzählen

 

Wer sie erzählt ist egal

 

So lange sie nur unglaubwürdig sind

 

Gesalzen mit diesem leichten Schwindel

 

Den man am deutlichsten in den verrauchten Gesichtern erkennt

 

Ich halte mich an die Angst

 

Das ist meine Richtschnur

 

An dieser Linie entlang trinke ich mir zu

 

Ich bin Marita

[03/2011 Lauter Niemand]

 

Advertisements

6 Gedanken zu “Ich bin Marita

  1. ob es der glaube daran, anders zu sein, ist, der uns als hauptmotivation dient, zu leben. aufzustehen am morgen. jene dinge zu tun, die wir meinen, tun zu müssen?

    maritas selbstbeschreibung kommt sowohl selbstkritisch als auch selbstrechtfertigend bei mir an. und doch auch irgendwie „nur erzählend“.
    der verlust ihrer angst vor dem verlust der erinnerungen – ob es darum geht, sich selbst nur dann als dreidimensionales wesen wahrzunehmen, wenn wenigstens auf der zeitachse etwas ist, woran es sich zu erinnern lohnt.
    das wort schwindel in seiner doppeldeutigkeit: grossartig …

    weisst du, was ich grad denke:
    ob als letzter satz vielleicht besser wäre: ich heisse marita oder sogar: man nennt mich marita … nur so ein gedankenblitz, der mir eben gekommen ist.

    ein starker, berührender text!

    1. ich kann generell schlecht über meine „literarischen“ Texte reden, bei Gedichten geht das noch weniger. Aber ich finde es immer wieder spannend, zu erfahren, was bei den Lesern ankommt, dass mit dem anders sein und auf wie unterschiedliche Weise man das interpretieren kann zum Beispiel.

  2. sich vor dem Verlust der Angst zu fürchten…. das fasziniert mich und irritiert mich und begeistert mich…. ich habe den text jetzt mindestens dreimal am tag gelesen…. und finde ihn sehr berührend
    *eigentlich kann man texte, die einen berühren, kaum kommentieren, ohne sich wie ein kompletter idiot auszudrücken*
    *also: ich jedenfalls*

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s