Kritik und Literatur

Im 21. Jahrhundert beschäftigt sich sowieso kaum noch jemand mit Literatur. Es gibt viele Schriftsteller, aber wenig Literatur. Die Schriftsteller sind zu Handwerkern geworden, und die Leser zu Käufern. Was gut verkauft wird, ist gesund. Was nicht verkauft wird, ist krank, bedrohlich und hat zu verschwinden.“ (Edo Popovic)

Möglicherweise lässt sich die Frage nie endgültig klären, für mich. Aber ich versuche mir stückweise mehr Klarheit darüber zu verschaffen, was ich eigentlich tue, wenn ich Besprechungen schreibe, was das für mich bedeutet.

Vor einiger Zeit gab es hier anlässlich eines Eintrags zu Kunst und Antikunst von Susan Sontag eine fruchtbare Diskussion, die nachgewirkt hat und weiter wirkt. Dazu kam kürzlich ein Essay von Harald Hartung, in dem er sich mit dem gegenwärtigen Stand der Literaturkritik auseinander setzt. Darin führt er z.B. an, dass Kritik einmal als Scheidekunst verstanden worden ist, als Instrument der kritischen Aufklärung. Er zitiert auch Benjamin:

Wer nicht Partei ergreifen kann, der hat zu schweigen.“

Und Hartung selbst konstatiert: „[…] das Problem ist die Kapitulation der Kritik vor dem Begriff der Qualiät.“

Wobei Qualität wieder so eine Wertung ist, die Hanna z.B. ablehnt, mit guten Argumenten und gutem Recht. Die ich aber beim Schreiben von Besprechungen nicht vernachlässigen will und kann. Allerdings eine „verantwortungsvolle“ Bewertung, so wie Susanne das definiert hat.

Für jede Position lassen sich schließlich sowohl Zitate als auch Argumente finden, und das ist nur ein weiterer Beleg dafür, dass Literaturkritik vornehmlich eins ist: subjektiv.

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