Günter Kunert – Tröstliche Katastrophen

In Marguerite Duras letzten Notaten vor ihrem Tod, die Yann Andrea in „C’est tout“ festgehalten hat, geht es um das Schreiben und wie nah das Schreiben dem Schweigen ist. Nur an dieser Grenze hat es einen Sinn. Einen, den der Schreibende erschafft, denn man kann nichts hinzufügen, nur erschaffen. Das war der Glaubenssatz der Duras. Deswegen hat sie so große Literatur hervorgebracht.

Gunter Kunert verlegt sich, zumindest mit seinen „Tröstlichen Katastrophen“ auf das Hinzufügen. Von der Unmöglichkeit, einen Film nachzuerzählen, schreibt Kunert: „Indem wir es in Sprache umwandeln, verliert es sein Wesentlichstes und wird abstrakt.“ So ergeht es einem, der nicht erschafft, sondern nacherzählt und hinzufügt, bei dem man am Ende der Lektüre das Gefühl hat, der zu Anfang noch rätselhafte Titel des Buches, verdanke sich womöglich der Tatsache, dass hier einer Trost findet, in den Katastrophen, allein weil er, als einziger, die Ursachen kennt.

Vertreibung

Die Veränderungen das sind irgendwann nur noch die Verluste. Es bedeutet, ohne jemanden auskommen zu müssen, ohne etwas, das früher selbstverständlich war. Die Treppen nach oben laufen, ohne Atemnot zu bekommen und Haare zu kämen, die ausnahmslos glänzend schwarz waren.

 

Man vertreibt sich die Zeit nicht länger, als jemand, der von der Zeit vertrieben wurde.