Blaue Stunden

Der Stapel mit den zu besprechenden Büchern ist nach wie vor hoch, aber seit gestern liegt „Blaue Stunden“ auf meinem Tisch, und ich kann nicht aufhören zu lesen, wie Joan Didion rücksichtslos sich selbst und die Welt erforscht, sich preisgibt und mit all ihren Schwächen präsentiert. Ich kann dieses Buch nicht lesen, ohne in einen Dialog zu treten, mich aufwühlen zu lassen und vieles in Frage zu stellen, gerade die Dinge, auf die ich keine Antworten habe, und die ich deswegen bislang nicht an mich heran gelassen habe.

„Da ich keine passende Antwort auf diese Fragen hatte, lehnte ich es ab, über sie nachzudenken.“

schreibt Didion und ich fühle mich erkannt (Nicht ertappt).

Es ist grausam, sich sterben zu sehen ohne Kinder. Das sagte Napoleon Bonaparte.

Lässt für die Sterblichen größeres Leid sich erdenken, als sterben zu sehen die Kinder? Das sagte Euripides.

Wenn wir von Sterblichkeit reden, reden wir von unseren Kindern.

Das sagte ich.“

Darum geht es in diesem Buch, um die Sterblichkeit, um das Überleben, (Didion hat in kurzem Abstand sowohl ihren Mann als auch ihre Tochter an den Tod verloren), um Liebe und Loslassen und Erinnerung.

Und ich bin Antje Rávic Strubel wirklich dankbar für ihre großartige Übersetzung.

Werbeanzeigen