Der Weg zurück

Ihre Füße stehen in einer Pfütze. Niemand beachtet sie. Niemanden kümmert, dass ihre Lippen blau angelaufen sind von der Kälte, dass sie zittert, weil sie bis auf die Haut nass ist. Die Straßen sind menschenleer, und die Frauen hinter den Gardinen haben kein Interesse an schmutzigen fremden Kindern.

Käme jemand, müsste sie ihm ausweichen. Niemand wird sie suchen, auffordern nach Hause zu gehen, ein heißes Bad zu nehmen und trockene Kleider anzuziehen. Es hat lange gedauert, aber endlich hat sie vergessen, wo sie ist.

Selbst wenn sie wollte, würde sie den Weg zurück nicht finden.

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15 Gedanken zu “Der Weg zurück

      1. du auch? ich auch … dahinter steht bei mir noch eine Geschichte: meine Großmutter schenkte mir zu meinem 8. Geburtstag das Buch mit Andersen Märchen und legte mir besonders ans Herz dieses Märchen zu lesen … ich habe fast 40 Jahre gebraucht, um zu verstehen, was sie mir eigentlich damit sagen wollte … schon als Kind weinte ich immer haltlos- auch so bei Brüderchen und Schwesterchen …

  1. Liebe Mützenfalterin,
    DANKE für diesen feinen Text!
    Wenn schon die Empathie fehlt und überhaupt die Möglichkeit, Missstände zu verstehen, zu begreifen oder wahrzunehmen, wenn das Leid des Anderen unberührt lässt, was fängt man dann mit sich und dem Leben an?
    mb

  2. feuerschwester

    sie geht auf den pflastern meiner gebete. sie raucht das heilige gras von prosa und reim. sie entstieg den lenden des horizonts mit der sonne in der hand. sie das versengende licht der brennenden speere. sie legt die gänge meines universums um. sie schüttet ozeane flammenden gesangs über die erde. sie ist die wurzel die funken uralter triebe durch die saat der erinnerung aufkeimen lässt. sie tanzt mit den gerippen der geschichte. sie tanzt tango wo sonst niemand auch nur geht.

    sie ist eine feuerschwester

    sie öffnet ihren mund in parabeln lyrischer erhebung. sie redet in den zungen ununterbrochener ewigkeit. die unendlichen nile ihrer zeilen fließen meilenweit. sie verweilt bei den aufgewühlten stimmen landloser geister. sie brennt tattoos aus fragen in die haut des landes. sie will wissen wer all die lügen kauft und den boden unter konferenztischen verkauft. sie sagt wir rackern uns ab ohne unseren grund und boden sind wir kaputt. also wirft sie gedichte ab wie benzinbomben um jedes korn von azania zu befreien.

    sie ist eine feuerschwester

    sie ist schwanger mit dem samen von baby-vulkanen. sie gebiert bärtige höllen. sie ist mein buch der protestoffenbarungen. sie fegt um die ecken der gespenster. sie wird die schlange nicht heiraten nicht für eine scheibe karottenkuchen. sie bewegt sich in strudeln schwarzer magie. sie spricht zauberflüche aus wie niemand sonst. sie ringt mit den armen der zeit. sie tauscht die sonne mit dem mond. am mittag mond sonne zur mitternacht. sie flutet ihre lichter in die geburt einer siamesischen nation in einem krebsartigen tanz. seitwärts in eine landlose zukunft. sie zerreißt den prachtvollen anzug der ihr gift trägt. sie zerkratzt das vinyl der geschichte und holt die rhythmen hervor die ihr auslöschen wollt sie durchschweift das rasen von drum ’n bass. sie kostet die lieder vom gestohlenen boden.

    sie ist eine feuerschwester

    (Kgafela oa Magogodi)

    Übersetzung: Übersetzt von Mary Harenberg mit Hilfe von Dr. Annekie Joubert

    http://www.lyrikline.org/de/gedichte/faya-sista-5927#.UldLx1PU0b4

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