Susan Sontag – Kunst und Antikunst

In „Über den Stil“ schreibt Susan Sontag: „Wenn es wahr ist, daß wir nicht urteilen können (moralisch, begrifflich), ohne damit zu verallgemeinern, dann trifft es ebenso zu, daß das Erleben des Kunstwerks und dessen, was im Kunstwerk repräsentiert wird, das Urteilsvermögen übersteigt – wenn auch das Werk selbst als Kunstwerk beurteilt werden kann.“

 

 

Dieser Satz, der zunächst wie eine Lösung für alles erscheint, bevor er weitere Fragen aufwirft (wie ich mir überhaupt ein nach allen Seiten abgesichertes Weltbild aus Zitaten basteln könnte, und oft auch versucht bin, genau das zu tun, wenn ich mir erlauben würde, auf das Nachdenken, auf den Eigensinn, zu verzichten.).

 

 

Das Kunstwerk läßt uns etwas Einmaliges sehen und begreifen, nicht aber bewerten und verallgemeinern. Dieser Akt des Begreifens, der von Wollust begleitet ist, ist der einzige vertretbare Zweck und die einzige überzeugende Rechtfertigung des Kunstwerkes.“

 

 

In diesem Zitat also die Begründung, warum etwas, das nicht bewertet werden kann, weil es das Urteilsvermögen übersteigt, sehr wohl als Kunstwerk begriffen werden kann. Begriffen auch im Sinne von definiert, also kategorisiert, also benannt, also bewertet. Nämlich indem man dem Werk die Frage stellt, ob es das leistet, ob es den Betrachter, den Leser, etwas Einmaliges sehen und begreifen lässt, oder ob es sich im Allgemeinen verliert. Ob es also einen Schritt über etwas zu beurteilendes hinausgeht und ergreift, ganz subjektiv und einmalig. Über jegliches Objektivität hinausgehend. Sie sprengend.

 

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