Baldur Greiner : Annegret Soltau – Ich war total suchend

„Je beschissener die Kindheit, desto besser die Kunst,“ lautet eine der sehr direkten und schlagwortartigen Aussagen Marina Abramovic. Schenkt man dieser Sichtweise Glauben, hatte Annegret Soltau von Anfang an sehr gute Voraussetzungen Künstlerin zu werden. Den Weg, auf dem sie tatsächlich zu einer der bedeutendsten Gegenwartskünstlerinnen geworden ist, erzählt Baldur Greiner in den biografischen Aufzeichnungen Annegret Soltaus „Ich war total suchend.“

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14 Gedanken zu “Baldur Greiner : Annegret Soltau – Ich war total suchend

  1. die aussage vom abramovic stimmt sicher bedingt und für unsere breitengrade und ganz gewiss für frau soltau. ich weiss, dass es sicher auch provokativ zu verstehen ist, aber auf mich wirkt die aussage vor allem – sorry – sehr zynisch.
    ich blicke zum beispiel nach syrien und denke an all die potentiellen künstlerInnen dort … oder an die kinder in den slums auf der ganzen welt.

    das ist zwar hier wohl nicht gemeint. nur wird mir mal wieder bewusst, welche möglichkeiten wir „hier“ haben, trotz …

    leben ohne zu suchen kann ich mir übrigens nicht vorstellen. lebt man wirklich, wenn man nicht sucht? hmm …

    1. ich sehe den „wahrheitsgehalt“ dieser aussage von marina abramovic ziemlich ähnlich, wie der dilettant. die sensibilität, die dafür sorgt, dass man dinge differenzierter und genauer wahrnimmt, hilft u.U. mit kränkungen und kümmernissen der kindheit irgendwie kreativ umzugehen, ich habe den satz ja nicht zitiert, weil er mir wahr schien, er passte nur sehr gut zu dieser erzählten biografie über annegret soltau, die sich mit der kunst aus einem sehr begrenzten leben gerettet hat, was ich sehr beeindruckend finde. mut machend auch.

    1. Zu den Büchern könnte ich eine (Un)Menge schreiben. Ich lese gerade die Interviews mit António Lobo Antunes und an einer Stelle sagt er, dass er findet, dass viel zu viele Bücher erscheinen, dass viel zu viel mittelmäßige Sachen gedruckt werden, das sehe ich ähnlich. Es ist so, dass viele Künstler ihr Handwerk gut beherrschen, aber damit der Funke überspringt, damit etwas wirklich berührt, braucht es noch einen Tick mehr. Wobei ich vollkommen offen lassen möchte, worin dieses Mehr besteht. Aus einer schlimmen Kindheit jedenfalls nicht gewzungenermaßen.

    1. Über die Soltau oder über Abramovic? Lohnt sich beides. Das Tolle an Abramovic Aussagen ist, dass sie vollkommen radikal sind. Und subjektiv. Und daher sofort polarisieren, was ganz bestimmt nicht die schlechteste Wirkung von Kunst ist.

  2. Umgekehrt wird vielleicht ein Schuh draus. Menschen, die das Zeug zum großen Künstler haben, bringen den Dingen des Lebens von Anfang an eine Sensibilität und Konsequenz im Erleben und Erfahren mit, die sie prädestiniert, in Konflikte und Spannungen mit ihrer sozialen Umwelt zu geraten. Häufig schon im Kindesalter (Ähnliche Problematik wie bie Hochbegabten). Dass aus Leiden Kunst entstünde ist Quatsch. Die meisten Menschen wurschteln sich durch’s Leid/Leiden, ganz wenige machen daraus Kunst – eben nicht weil sie leiden, sondern weil sie’s können.

    1. Ich sehe durchaus auch diesen Umkehrschluss, vielleicht nicht ganz so radikal, wie du es formuliert hast, aber auf jeden Fall als Alternative und Ergänzung zu Abramovic plakativem Spruch. Die Kunst kann ein Ausweg sein, gerade die Biografie von Annegret Soltau macht das deutlich, und einiges, auch Unschönes, erlebt zu haben, sensibilisiert sicherlich auf eine andere Weise, als wenn man behütet und von jeglichem Unglück verschont aufwächst. Deinen letzten Satz allerdings möchte ich ohne jegliche Abstriche unterschreiben.

    2. Laut der Aussage dürfte ein Mann wie Paul Celan und eine Frau wie Anne Sexton, die erst durch ärztliches Anraten zum Schreiben gekommen ist, keine Künstler sein und Kafka auch nicht.

      Und es ist immer kurios wie schnell man die meisten Menschen schreibt, dabei kennt man die meisten Menschen überhaupt nicht.

      1. ja das stimmt. sie weiß wovon sie spricht, wenn sie von sich spricht. vielleicht besser und konsequenter, auf jeden fall radikaler, als die meisten „anderen“ menschen, diejenigen, die ich kenne und auch die anderen, über die ich mir ein urteil anmaße, ohne sie zu kennen. im alleinbesitz der allgültigen wahrheit ist sie deswegen aber ebensowenig wie der rest der menschheit. und ich glaube nicht einmal, dass sie letztgültige thesen verbreiten will. es geht vielmehr darum, zu zeigen, wie viel kraft darin liegen kann, zu sich zu stehen, kompromißlos.

  3. Na fein, da sind wir uns ja enig, ich glaube nämlich dass es sehr roßer Quatsch ist zu schreben es ei Quatsch dass der Künstler leiden müsse wenn er etwas schafft, aus welchen Grund soll er sich denn sonst ausdrücken?

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