Positionen

In einer bestimmten Position, sehe ich aus dem Fenster lediglich ein Stück Himmel. Mal blau, mal grau, mit Schäfchenwolken geschmückt, oder nackt. Aber eben nur diesen Himmel. Der überall sein könnte. Keine Bäume, keine Häuser, die ihn lokalisierbar machen, ihn geografisch festschreiben.
Vielleicht geht es mir so mit meinen Schreiben. Vielleicht ist das Bild eine Erklärung für meine momentanen Schwierigkeiten. Ich will von Anfang an nur diesen Ausschnitt, der so allgemein ist, dass man mich dahinter nicht erkennen kann. Als wäre Schreiben möglich, ohne sich erkennen zu geben. Als wäre es wirklich möglich, mit dem Schreiben die Spuren zu verwischen. Die Spuren eines wenig geglückten Lebens verwischen mit Sätzen, die von einer Erhabenheit sind, die mich weit zurücklässt.

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22 Gedanken zu “Positionen

  1. oh, liebe mützenfalterin, das geht direkt unter die haut … (drei anläufe für einen kommentar gelöscht, weil ich nicht in worte fassen kann, was ich meine …) bevor ich auch das noch lösche, sende ich es einfach ab.

  2. „Ich will von Anfang an nur diesen Ausschnitt, der so allgemein ist, dass man mich dahinter nicht erkennen kann. Als wäre Schreiben möglich, ohne sich erkennen zu geben. Als wäre es wirklich möglich, mit dem Schreiben die Spuren zu verwischen.“

    oh, ich glaube, so ähnlich geht es mir auch. durch das schreiben kann man gedanken, gefühle in worte fassen, sich aber gleichzeitig dahinter verstecken. im gedicht schlüpfe ich in ein „lyrisches ich“ … als wäre es möglich … und im grunde ist es mein ziel mich eben nicht mehr zu verstecken. ist das wiederum möglich? (ist es mir möglich?) … hier werde ich weiter denken … hab dank, liebe mützenfalterin, das hast du wunderbar in worte gefasst!

      1. ja, man ist sich selbst auf der spur, so sehe ich das auch. 🙂

        interessant, dein text über die sprache und auch das max frisch zitat, über das ich stolperte, die kommunikation mit dem unaussprechlichen, trefflich!

        was hältst du denn hiervon:

        ein gedicht lebt
        durch die worte
        zwischen den zeilen

      2. es sind ja gerade die fehlenden worte, das unaussprechliche, das irgendwie mitschwingt zwischen den zeilen, von daher finde ich es ein wenig missverständlich ausgedrückt. Aber vielleicht meinst Du ja etwas anderes?

  3. Es ist sicher immer möglich, sich hinter Worten zu verstecken. Oder in Rätseln zu sprechen. Aber warum? Schutzwälle schotten ja ab (taugen freilich auch als Projektionsfläche für andere) Bewegung entsteht aus Öffnen, Zeigen. Welches Leben wäre denn so wenig geglückt? (Für mich nicht vorstellbar)

    1. na ja, ich habe es eben schon geschrieben, schreiben bedeutet (für mich) immer auch, mir selbst auf die spur zu kommen, da zeigen sich auch dinge, die ich nicht so gerne wahrhaben möchte, ich konfrontiere mich mit verdrängtem vielleicht. decke meine eigenen lügen auf und bin auf einmal verletzlicher und nackter als ich glaube es aushalten zu können. verstecken ist ja nicht immer feigheit, manchmal auch einfach nur selbstschutz, notwehr sozusagen. ist das für dich vorstellbar und nachvollziehbar?

      1. Sich schützen zu müssen ist natürlich sehr nachvollziehbar. Aber ich denke, wer nicht nur für sich schreibt, will ja gehört werden, will sich auf eine Reise begeben. Wenn da Angst im Spiel ist, vor unangenehmen Seiten seiner selbst, kann das ja auch damit zu tun haben, dass man zu kritisch ist sich selbst gegenüber. Nicht jeder Mensch ist ja der beste Anwalt seiner selbst, seiner ureigensten Belange, um die es doch geht/gehen sollte. Und gerade Platformen wie diese hier bieten doch jede Menge spielerischer und sonstiger Möglichkeiten…

      2. „…etwas zu schaffen, dass größer ist als du?“ Also diese Frage habe ich mir noch nie gestellt… Spontan würde ich sagen, das geht nicht, denn wenn ich etwas schaffe ist es ein Teil von mir, kann also nicht größer sein. Vielleicht könnte man etwas anstoßen, was dann über einen hinauswächst…

      3. ich finde das schwer zu erklären, aber ich versuche es. hätte ich das gefühl, was ich schreibe, das bin bloß ich, dann würde ich tagebuch schreiben, ganz für mich, ohne irgendjemanden damit zu behelligen. ich glaube aber, dass ich vielleicht dieses eine talent habe, mich manchmal für die sprache zu öffnen und dann mehr vielleicht zusammenhänge zu finden, worte so aneinander fügen zu können, dass sie etwas aussagen, was ich vielleicht selbst nicht verstehe in diesem moment. was über mich hinausweist und daher vielleicht auch für andere etwas bedeuten kann. etwas unbeholfen ausgedrückt, sehe ich mich als werkzeug der sprache und als solches versuche ich naturgemäß etwas zu schaffen, das größer ist als ich.

  4. Das gefällt mir sehr, es wird einem aber auch eng um’s Herz, wenn man nach dem Schreiben immer davon ausgehen muss, dass alle vom Text auf einen selbst schließen (müssen). Aber ich denke schon, dass man sich hinter Worten verstecken kann. Nur das Verstecken selbst bleibt dann nicht geheim.

    1. Das gefällt mir, die Erkenntnis, dass dann das Versteck, oder das Verstecken an sich nicht geheim bleibt. Ja, man möchte nicht, dass umgehend auf einen selbst als Verfasser geschlossen wird, und das hat durchaus mehrere Gründe, zum einen, weil ich mich nicht ausstellen und zeigen will, aber auch, weil ich immer hoffe, etwas über mich hinausgehendes gefunden zu haben, aufgeschrieben zu haben, etwas, in dem sich auch andere wiederfinden, da will ich nicht im Weg stehen und natürlich auch das, was ich versspielerin schon schrieb, dass man sich beim Schreiben immer auch auf der Spur ist, obwohl man sich vielleicht gerade vor sich selbst am meisten verstecken möchte.

  5. Leider habe ich gerade so wenig Zeit, deshalb nur ein paar Stichworte, ganz spontan:
    – „wenig geglückt“ wäre nicht das Leben, sondern ein Text, der dieses Leben bewertet, statt es einfach zu beschreiben
    – zum „allgemein“ schreiben: Es gibt ja den feinen Unterschied zwischen persönlich und privat … (den ich ständig auszuloten versuche, ist nicht so einfach)
    – Du darfst tun, was Du willst und musst niemandem zu Gefallen sein.

    1. also ich bewerte mein leben durchaus, es gibt gute und schlechte zeiten, missglückte und geglückte tage. eine endgültige bewertung ist vielleicht erst im allerletzten moment möglich, aber ich glaube entscheidend ist, dass ich viele fehler, die ich gemacht habe, mit genuss wieder machen würde. also würde ich vermutlich ein wenig geglücktes leben nicht unbedingt als unglückliches leben bezeichnen. das ist immer wieder die große herausforderung und das große glück beim umgang mit sprache, dass die eindeutigkeit fehlt, dass es spielräume gibt, in die jeder sein eigenes verständnis legen kann.
      sehr gut gefällt mir deine unterscheidung zwischen persönlich und privat, das auszuloten lerne und versuche ich auch, spätestens seit ich blogge und immer wieder verschieben sich die gewichte.
      dank dir für deine stichworte.

  6. (ich zitiere mal hier, weil ich oben nicht mehr antworten kann)

    „ein gedicht lebt
    durch die worte
    zwischen den zeilen“

    du schreibst dazu: „es sind ja gerade die fehlenden worte, das unaussprechliche, das irgendwie mitschwingt zwischen den zeilen …“

    ja, das meine ich schon im prinzip, liebe mützenfalterin, oder vielleicht auch das „unausgesprochene“, das aber die worte, die „auf dem papier“ stehen, implizieren oder hervorrufen.

    sonnige grüße!

  7. Auch hier schließe ich nicht automatisch aus dem Text, dass er autobiographisch ist. Ich sehe in diesem Text eine Leere, aus der ein flow von Kreativität entstehen kann, wenn die Protagonistin loszulassen versteht und mit Vertrauen sich dieser Leere hingibt und nicht dem „Höheren“, wie sie es nennt, den Zugang mit Ungeduld und Kontrolle zu verwehren.
    Bitte, ich bin keine Besserwisserin, ich übe einfach das Leben, wie wir alle.
    LG Hanna

    1. Liebe Hanna, das gefällt mir gut, was du da schreibst, dass Du eine Leere siehst, auf die man sich einlassen sollte/könnte. Aber an dem Höheren halte ich fest, ohne darunter zu leiden.Ich glaube, dass die Sprache viel viel größer ist, als ich. Beim Schreiben geht es um das Gespräch mit vielen vielen vorangegangenen Generationen, und damit meine ich nicht nur einen bestimmten Schriftsteller, der etwas anstößt, ein Wort, das andere nach sich zieht, sondern die Sprache als solches, als Gemeinschaftswerk, das zwar von einzelnen gemacht wurde, aber dennoch über sie hinausreicht. Eine wunderbare Gehhilfe, beim Versuch das Leben immer wieder neu zu üben, wie Du so schön schreibst.

      1. Vom „Höheren“ bin ich in diesem Sinne auch überzeugt. Ich habe scheinbar nur ein anderes Vokabular.
        LG Hanna

      2. Na, na, dass habe ich nicht geschrieben. Du hast ein Vokabular, ich hab eins und andere haben auch ihr eigenes. Ich glaube, es liegt in der Natur der Sache, dass Menschen sich meistens nicht verstehen, weder mit Worten, noch mit Taten. Auch Wertungen sind an der Tagesordnung, dabei achte ich deins und du (vermutlich) meins.

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