Intelligenz – Große Unterschiede und ihre Folgen. Elsbeth Stern | Aljoscha Neubauer

Die Frage, was Intelligenz überhaupt ist, ist die eine Sache, wie wir sie bewerten und warum, vor allem aber, welches Heil wir uns von diesem Konstrukt versprechen, eine andere.

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6 Gedanken zu “Intelligenz – Große Unterschiede und ihre Folgen. Elsbeth Stern | Aljoscha Neubauer

  1. Liebe Mützenfalterin,
    dass Du Dich auch weiterhin dem Thema „Intelligenz“ annimmst, zumal diesmal in einer Rezension, das freut mich.
    Ich glaube nicht, dass mich das Buch anspricht, und ich werde es wohl auch nicht lesen. Zu sehr scheint mir doch die Antwort, was Intelligenz sei und wie sie sich in den Individuen und der Gesellschaft zeigt, gefunden zu sein. Dagegen gefällt mir besonders eine Fragestellung in Deiner Besprechung:
    „Macht Intelligenz automatisch unabhängig, kritisch, mutig?“

    Liebe Grüße, mb

    1. ich bin noch lange nicht durch mit diesem thema. für mich. daher war auch das buch interessant und lehrreich für mich, weil ich ein wenig nachvollziehen und verstehen gelernt habe, was das konstrukt intelligenz ausmacht, wie es von anderen begriffen abgegrenzt wird, und was es für die wissenschaft so anziehend macht. aber du hast natürlich recht, die antwort steht für die autoren fest, an diesem konstrukt wird nichts in frage gestellt. danke für die nicht nachlassende anteilnahme an meinen beiträgen.

    2. Liebe mb,

      deine Frage zum Schluss finde ich sehr spannend. Ich glaube, es gibt viele Faktoren, die uns intelligent machen. Bei manchen ist die Intelligenz so gut „sichtbar“, weil sie z.B. einen sehr gut versorgten (aktiven) präfrontalen Kortex haben und direkte Impulse eher unterdrücken können als andere. Mein Mann ist z.B. so einer. Er kann langfristig denken, das macht ihn unglaublich methodisch und auch detailverliebt in seiner Arbeit. Andererseits neigen solche Menschen auch oft dazu, sich nicht so oft „aufzubäumen“, sprich: sie zeigen seltener Mut, gegen ein Gefüge zu protestieren (das ist nicht immer so), weil diese Hyperaktivität des PFCs eben auch oft mit starker Gewissenhaftigkeit einhergeht, und diese sich so zeigen kann, dass man lieber Regeln der Gruppe befolgt, als sie offen zu hinterfragen.

      Ich könnte stundenlang über Intelligenz reden, was eigentlich sagt: Klar, wir messen da etwas, und es lassen sich gute „Voraussagen“ damit machen, aber wir wissen im Grunde gar nicht genau, was wir da messen, die Zusammensetzung, die unser Modell von Intelligenz ausmacht, kann sehr unvollständig sein.

      Beispiel: Der Diagnostiker bei uns meinte, dass Aufmerksamkeitsleistung streng gemessen nicht mit Intelligenz korreliert, aber Aufmerksamkeitsleistung beeinflusst das Gedächtnis und die korrekte Ausführung von Aufgaben, die wiederum in IQ-Tests als Indikator für gewisse Bereiche der Intelligenz gesehen werden. Das ist echt krass!

      Oder Menschen mit einem eidetischen Gedächtnis … Ihnen wird doch jede Art von Aufgabe, die auf Kurz- und Langzeitgedächtnis abzielen, einfacher fallen. Aber korreliert das mit der Fähigkeit, analytisch zu denken und Analogieschlüsse zu ziehen?

  2. „Spätestens wenn behauptet wird, dass keine andere Größe außer der Intelligenz nicht nur beruflichen Erfolg, sondern auch privates Glück so gut vorherzusagen im Stande ist, wie der Intelligenzquotient, klingt das für mich wie wissenschaftliches Handlesen.“

    Du hast eine sehr kluge Rezension geschrieben. Ich hätte die selben Kritikpunkte genannt, vermutlich sogar noch ein paar mehr. Wir gehen in der Uni viel kritischer mit dem Konstrukt um, wissen, dass wir nur Indikatoren für unser selbst gemachtes Konstrukt von Intelligenz haben, dass diese Indikatoren aber sehr störanfällig sind für Launen, Tagesform, Schicksalsschläge, Persönlichkeitsmerkmale. Übrigens lassen sich diese ganz gut „messen“, gar nicht mal soviel schlechter als Intelligenz. Trotzdem bleiben das enge Konstrukte, die zwar wirklich sehr gewissenhaft untersucht worden sind und korreliert und faktorisiert und geclustert – und die auch wirklich Sinn machen – aber sie bleiben immer noch Konstrukte, die abhängig von statistischen Verfahren sind, die ihrerseits so oft formal korrigiert werden müssen, dass sie zwar immer noch um 100% genauer sind als unsere Alltagsmeinungen, aber eben doch anfällig bleiben.

    Wir Menschen sind eben doch sehr kompliziert, was ich ganz gut finde, ich möchte uns nicht bis auf die Unterwäsche erklären können. Danke, liebe Elke. Wie mb muss ich sagen, dass ich mir das Buch eher doch nicht kaufe, ich habe da schon zuviele gedankliche Zeigefinger hochgehalten.

    1. Deine Auseinandersetzung (und positive Wertung) mit meiner Rezension freut mich sehr. Ehrlich gesagt, bin ich nur über unsere wiederholten Diskussionen über Intelligenz auf dieses Buch aufmerksam geworden.

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