Von Pressefreiheit, Wahrheit und anderen Fallstricken

Es ist schon eine Weile her, dass Sherry ihren Artikel über den türkischen Aufstand, veröffentlicht hat, und sich eine Diskussion entspann, der ich mich zeitlich und intelektuell nicht ganz gewachsen fühlte. Aber das Thema ließ mich nicht los. Etwas stimmt nicht mit der Berichterstattung in unseren Medien, ich kann nicht beurteilen, wie es in anderen Ländern ist, aber ich bin mir sicher, wir erfahren nicht so viel, nicht so vorurteilsfrei über gewisse Geschehnisse, wie es einer demokratischen und vielfältigen,  keiner Zensur unterliegenden, Presse- und Medienlandschaft zustände. Aber vielleicht, dachte ich mir, als ich im Krankenhaus wieder viel Zeit zum Nachdenken hatte, gibt es auch eine andere Art von Zensur. Vielleicht findet das alles viel subtiler statt und wir selbst tragen viel mehr zu der Verwirrung bei, als wir wollen und wahrhaben wollen.

Investigativer Journalismus ist ja nicht nur eine Sache von politischer Überzeugung, sondern durchaus auch eine Kostenfrage. Und eine Zeitfrage. Das heißt diese Art Journalismus reagiert (scheinbar) langsamer als die Schlagzeilen auf Spiegel online und Bild und dieser Journalismus kostet Geld, während die Unternehmen zunehmend im Netz werben und immer weniger Zeitungen verkauft werden, also beide Einnahmequellen der traditionellen Printmedien gleichzeitig wegbrechen.

Aber auch damit ist die Frage nicht hinreichend beantwortet. Selbst wenn viele Quellen eingeholt werden, Zitate von beiden Seiten berücksichtigt und geprüft werden, wenn jede Aussage nochmals überprüft und angezweifelt wird, bleibt da doch die Frage, wie viel man eigentlich verstehen kann von einer anderen Kultur. Wie sehr die eigene Perspektive, die eigene Verwurzelung in der Gesellschaft den Blick einschränkt und wie weit man sich das überhaupt bewusst machen kann.

Und nichts scheint hinderlicher, widersprüchlicher, als der kaum hinterfragte Glaube daran, dass es so etwas wie „Wahrheit“ gibt. Es gibt Fakten und Widersprüchlichkeiten. Es gibt Wirklichkeiten, die im selben Land absolut gegensätzlich sein können. Es gibt im besten Fall den Mut diese Widersprüchlichkeiten auszuhalten und darzustellen, Zweifel zu säen, statt Antworten und Wahrheiten anzubieten, die es jenseits ideologischer Verblendung nicht gibt und nicht geben kann.

Werbeanzeigen