Das verborgene Leben des J.D. Salinger

Meine Beziehung zu J.D. Salinger ist eine ganz besondere. Ich will gar nicht viel dazu erzählen, nur dass mir sein Fänger im Roggen vor vielen vielen Jahren fast das Leben gerettet hat, auch wenn ich im Nachhinein Franny und Zooey noch viel viel besser finde. Seltsamerweise habe ich mich nie gefragt, wer dieser Mann eigentlich ist, wer er war, das steht doch alles mehr oder weniger in den Geschichten, das was man wissen muss, als Leser. Und seine Entscheidung weiter zu schreiben, ohne noch etwas zu veröffentlichen, das war für mich immer seine Entscheidung, radikal und irgendwie bewundernswert. Aber ganz sicher nicht zu hinterfragen. Dennoch gab und gibt es diese Nachstellungen, dieses vermeintliche Recht auf das Privatleben eines Autors, nur weil seine Geschichten vielen Lesern so viel bedeuten. Und weil sie nun schon einmal geschrieben und auch noch übersetzt worden ist, habe ich diese Biografie über sein „verborgenes Leben“ gelesen, und mir meine Gedanken dazu gemacht. Vielleicht gerade deshalb plädiere ich dafür immer wieder seine wunderbaren Bücher zu lesen, statt solcher Machwerke.

Äquivalent zur Weigerung Salingers, sein Privatleben offen zu legen, wird auch Slawenskis Biografie zu einer Geschichte von Übergriffen durch die Medien, und der Unfähigkeit des Medienbetriebs, einen einfachen Wunsch, wie den Salingers, dass nicht über ihn geschrieben wird, zu respektieren. Mehr zu Slawenskis Salinger Biografie hier.

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12 Gedanken zu “Das verborgene Leben des J.D. Salinger

  1. der link geht leider nicht.
    ich gebe dir da voll recht: irgendwo muss doch einfach eine grenze sein – und die gehört respektiert!
    wie viel oder wie wenig ein mensch von sich preisgeben will, muss jeder selbst entscheiden.
    andererseits: heute gibt es ja wirklich kaum mehr grenzen und wir alle sind dank internet und moderner technik durchsichtiger als ein mensch früher je war.

    1. danke für den hinweis, oder sollte ich sagen; die hinweise?
      der link müsste jetzt funktionieren.
      manche menschen sind ja durchaus bereit, so gut wie alles von sich preiszugeben. vielleicht weil sie die tragweite dessen was sie tun nicht überblicken und vielleicht auch, weil sie es so wollen. was mich abstösst sind nicht allein die nachstellungen, sondern die einstellung, die dem zugrundeliegt. diese idee, die menschen hätten ein recht darauf derartige private hintergründe zu erfahren.

  2. mit den 9 stories hat er das erzählen perfektioniert; oder zumindest das dialogschreiben. oder er hat einfach the great american short story geschrieben, 9 mal hintereinander.

  3. Eine schöne Besprechung, ich habe mir den Titel mal notiert. Von Salinger habe ich bisher nur „Der Fänger im Roggen“ gelesen; mehrmals und immer wieder, es hat mich unheimlich begeistert. Sonst kenne ich leider noch nichts von ihm, „Franny und Zoey“ habe ich mal angefangen, dann aber wieder abgebrochen – es scheint Zeit zu werden, noch andere Texte dieses Autors zu entdecken. 🙂

    1. Und sie sind so gehaltvoll, dass es genügt. Es genügt als Lebenswerk. Also notier dir bitte: nine stories, hebt den dachbalken hoch zimmerleute und seymour wird vorgestellt, franny und zoey, den fänger im roggen hast du ja schon gelesen. die biografie kann man sich sparen. außer man möchte sich ärgern, aufregen und schlecht fühlen.

  4. Ich habe „Der Fänger im Roggen“ vor ein paar Jahren gelesen und seitdem lässt dieses Werk mich nicht mehr los. Es ist tatsächlich das Buch das mir immer sofort einfällt, wenn ich an Literatur denke, die mich bewegt hat. Erst nach dem Lesen erfuhr ich durch Zufall, dass Salinger zeitlebens versuchte ein Privatleben zu führen. Traurig, dass man ihm diesen Wunsch nicht erfüllen konnte. Danke für die Rezension, habe ich sehr gern gelesen.

  5. Die neun Erzählungen und die eigentlich dazugehörenden Erzählungen über Franny und Zoey fand ich auch großartig. Den Fänger habe ich bislang noch nicht gelesen – gleich schau ich mal deinem Link nach. Eigentlich mag ich Biographien sehr gern …

  6. Danke! „Franny und Zoey“ wie auch „Raise High the Roof Beam, …“ habe ich als junger Erwachsener gelesen (Den Roggenfänger schon zur Schulzeit) – wahnsinn, wie mich das damals gepackt hat. Die neun Erzählungen sagen mir gerade nichts, aber ich glaube, ich nehme diesen Artikel zum Anlass, Salingers Gesamtwerk mal wieder zu lesen (geht ja schnell ;))

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