Blau

Meerblau Isla volante
Meerblau
Isla volante

Als sie das Meer zum ersten Mal sah, war sie noch ein Kind. Der Wind kitzelte sie und legte winzige Salzkristalle auf ihre Haut. Das Meer murmelte freundlich und der Sand unter ihren Füßen war warm.

 

Warum sie dennoch eine Art von Traurigkeit erfuhr, die sie zuvor nicht gekannt hatte, konnte sie sich nicht erklären. Aber als sie Jahre später im Englischunterricht erfuhr, dass blue in dieser Sprache traurig heißt, musste sie lächeln.

 

 

 

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17 Gedanken zu “Blau

  1. Ich sage das sehr ungern, weil ich befürchte, dass du dir dann Sorgen um mich machst: aber manchmal – nicht immer – aber vielleicht ein wenig öfter als manchmal, ergreift mich vor dem Meer eine Art positive Freitodstimmung. Es ist nicht so, dass der erste Gedanke der ist, dass ich gerne tot wäre, es ist eher der, dass mir die Welt und das Universum so groß und großartig erscheinen, weil das Meer so großartig ist, so unfassbar unglaublich, so mystisch und auch ein wenig angsterzeugend, dass ich gerne noch mehr Teil von dem wäre, was soviel größer ist als ich. Und dann denke ich: das geht nur, wenn ich sterbe. Und deshalb habe ich manchmal eine positive Freitodstimmung – am Meer. Aber auch die Traurigkeit fällt mir dort besonders leicht. Leicht, weil sie daneben so klein wirken kann, wenn ich nur offen für das Flüstern des Meeres bin.

    1. sherry, weisst du was: das kenn ich auch. es aber so zu formulieren ist mir noch nie eingefallen. dieses positive freitod-gefühl habe ich jeweils auch in den bergen oder sonst an magisch-wunderbar-gewaltigen naturschauplätzen. genau so wie du es schreibst. nur eben: bis jetzt nie drüber nachgedacht habend.

      1. Das ist echt „toll“, oder nein, ich schreib’s ohne Anführungsstriche: es ist toll. Es ist kein schlechtes Gefühl. Im Gegenteil, vielmehr ist es für mich so, als sei ich wieder zu mir gekommen. Danke, Soso.

    2. eventuell kann ich ein wenig nachvollziehen, was du meinst, die kleinheit auf jeden fall, die habe ich in einem der nächsten texte, das ist etwas, was ich in den bildern vom meer von rittiner und gomez immer wieder spüre, aber vielleicht auch so eine art lebenssattheit.

  2. und dabei ist das wasser ja gar nicht blau. ich weiss noch, wie ich mich als kind fast betrogen gefühlt habe, als ich das begriff.

    ein sehr schöner text, so schön melancholisch …

  3. Wer will wissen was Glück ist, wenn er nicht traurig war?
    Der Text ist einfach nur schön. Und das Bild dazu auch 🙂

    1. ach, das freut mich sehr. ich bin auch schon längst süchtig nach dieser zusammenarbeit, nach diesen wunderbaren bildern und der herausforderung texte zu erfinden, die ihnen gerecht werden.

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